Konto 1070 – Aktive latente Steuern
Konto 1070 – Aktive latente Steuern ist ein spezialisiertes Konto zur Erfassung aktiver latenter Steuern – ein immaterieller Vermögenswert , der entsteht, wenn temporäre Differenzen zwischen buchhalterischen und steuerlichen Werten in der Zukunft zu niedrigeren Steuern führen werden. Dieses Konto ist zentral für die korrekte Periodenabgrenzung und Zuordnung von Steueraufwendungen in der Bilanz .
Was sind aktive latente Steuern?
Aktive latente Steuern sind ein buchhalterischer Vermögenswert, der künftige Steuereinsparungen darstellt, die aufgrund temporärer Differenzen zwischen buchhalterischen und steuerlichen Werten entstehen. Dieser Vermögenswert spiegelt wider, dass das Unternehmen in der laufenden Periode zu viel Steuern bezahlt hat oder über Steuergutschriften verfügt, die in der Zukunft genutzt werden können.
Grundprinzipien aktiver latenter Steuern
- Temporäre Differenzen: Unterschiede zwischen buchhalterischem und steuerlichem Wert, die sich über die Zeit umkehren
- Künftige Steuereinsparungen: Der Vorteil realisiert sich, wenn die temporären Differenzen sich umkehren
- Aktivierung: Darf nur aktiviert werden, wenn es wahrscheinlich ist, dass der Vorteil realisiert werden kann
Wann entstehen aktive latente Steuern?
Aktive latente Steuern entstehen in folgenden Situationen:
1. Temporäre Differenzen mit künftigem Steuerabzug
- Buchhalterische Rückstellungen, die steuerlich erst bei Zahlung abzugsfähig sind
- Wertminderungen von Vermögenswerten, die steuerlich nicht abzugsfähig sind
- Vorsorgekosten, die buchhalterisch erfasst, aber steuerlich noch nicht abzugsfähig sind
2. Vortragbare steuerliche Verluste
- Steuerliche Verluste, die auf künftige Jahre vorgetragen werden können (in der Schweiz 7 Jahre)
- Nicht genutzte Steuerabzüge, die in der Zukunft verwendet werden können
Kriterien für die Aktivierung
Damit aktive latente Steuern auf Konto 1070 aktiviert werden können, müssen folgende Kriterien erfüllt sein:
Wahrscheinlichkeitserfordernis
| Kriterium | Beschreibung |
|---|---|
| Wahrscheinliche Realisierung | Es muss wahrscheinlich sein, dass das Unternehmen über ausreichende künftige steuerpflichtige Gewinne verfügt, um den Vorteil zu nutzen |
| Zeitlicher Zusammenhang | Der Vorteil muss innerhalb eines angemessenen Zeithorizonts realisierbar sein |
| Rechtliche Grundlage | Der Vorteil muss eine gesetzliche Grundlage im geltenden Steuerrecht haben |
Dokumentationsanforderungen
- Berechnungsgrundlage: Detaillierte Berechnung der temporären Differenzen
- Prognosen: Künftige Ertragslage und Steuerposition
- Überprüfung: Regelmässige Beurteilung der Realisierbarkeit
Verbuchung aktiver latenter Steuern
Erstmalige Erfassung
Soll: Konto 1070 – Aktive latente Steuern
Haben: Konto 7740 – SteuerertragAuflösung aktiver latenter Steuern
Soll: Konto 7750 – Steueraufwand
Haben: Konto 1070 – Aktive latente SteuernBerechnung aktiver latenter Steuern
Grundlegende Berechnung
Aktive latente Steuern = Temporäre Differenz × Steuersatz
Berechnungsbeispiel
| Position | Buchhalterischer Wert | Steuerlicher Wert | Temporäre Differenz | Steuersatz | Aktive latente Steuern |
|---|---|---|---|---|---|
| Rückstellung Garantien | 500 000 | 0 | 500 000 | 18% | 90 000 |
| Vortragbarer Verlust | 0 | 1 000 000 | 1 000 000 | 18% | 180 000 |
| Total | 270 000 |
Hinweis: Der effektive Steuersatz (Bund + Kanton + Gemeinde) variiert je nach Kanton und Gemeinde.
Darstellung in der Jahresrechnung
Bilanzdarstellung
Aktive latente Steuern werden dargestellt als:
- Anlagevermögen: Wenn die Realisierung über 12 Monate hinaus erwartet wird
- Umlaufvermögen: Wenn die Realisierung innerhalb von 12 Monaten erwartet wird
- Nettodarstellung: Kann mit passiven latenten Steuern für dasselbe Steuersubjekt verrechnet werden
Anhangangaben
Folgende Angaben sind im Anhang zu machen:
- Zusammensetzung: Spezifikation der Hauptkomponenten
- Veränderungen: Änderungen im Laufe des Geschäftsjahres
- Wahrscheinlichkeitsbeurteilung: Grundlage für die Aktivierung
- Steuersatz: Angewandter Steuersatz für die Berechnung
Zusammenhang mit anderen Konten
Konto 1070 steht in engem Zusammenhang mit anderen Konten im Kontenplan:
Zugehörige Aktivkonten
- Konto 1000 – Forschung und Entwicklung : Kann aktive latente Steuern im Zusammenhang mit F&E-Zusatzabzug aufweisen
- Konto 1020 – Konzessionen : Temporäre Differenzen bei der Amortisation
- Konto 1030 – Patente : Unterschiede im Abschreibungstempo
- Konto 1300 – Beteiligungen an Tochtergesellschaften : Temporäre Differenzen bei Beteiligungen
Zugehörige Passivkonten
- Konto 2120 – Passive latente Steuern: Abgrenzung künftiger Steueraufwände
- Konto 2940 – Passive latente Steuern: Gegeneffekt temporärer Differenzen
- Konto 2950 – Laufende Steuerschuld: Steueraufwand des Geschäftsjahres
Erfolgskonten
- Konto 7740 – Steuerertrag: Ertragserfassung aktiver latenter Steuern
- Konto 7750 – Steueraufwand: Aufwandserfassung bei Auflösung
- Konto 8320 – Latente Steuern: Steueraufwand bei Änderung temporärer Differenzen
Besondere Beurteilungen
Änderung des Steuersatzes
Wenn sich der Steuersatz ändert, müssen aktive latente Steuern neu berechnet werden:
- Erhöhung des Steuersatzes: Erhöht den Wert aktiver latenter Steuern
- Senkung des Steuersatzes: Reduziert den Wert aktiver latenter Steuern
Konzernverhältnisse
In der Konzernrechnung sind folgende Aspekte zu beachten:
- Eliminierungen: Aktive latente Steuern im Zusammenhang mit eliminierten Positionen
- Konsolidierung: Nettodarstellung auf Konzernebene
- Ausländische Tochtergesellschaften: Währungsumrechnung und lokale Steuerregeln
Revision und Kontrolle
Revisionshandlungen
Revisoren führen typischerweise folgende Kontrollen durch:
- Berechnungsgrundlage: Verifizierung der temporären Differenzen
- Wahrscheinlichkeitsbeurteilung: Bewertung der Realisierbarkeit
- Dokumentation: Durchsicht der zugrunde liegenden Dokumentation
- Steuersatz: Kontrolle des angewandten Steuersatzes
Häufige Fehlerquellen
- Überoptimistische Prognosen: Zu positive Erwartungen an die künftige Ertragslage
- Falscher Steuersatz: Verwendung eines falschen Steuersatzes für die Berechnungen
- Fehlende Auflösung: Keine Auflösung, wenn die Kriterien nicht mehr erfüllt sind
Rechnungslegungsstandards
Unterschiede IFRS vs. Swiss GAAP FER
| Bereich | IFRS | Swiss GAAP FER |
|---|---|---|
| Wahrscheinlichkeitskriterium | Wahrscheinlicher als nicht (>50%) | Wahrscheinliche Realisierung |
| Zeitbegrenzung | Keine spezifische Zeitbegrenzung | Angemessener Zeithorizont |
| Verluste | Strenge Anforderungen an künftige Rentabilität | Flexible Beurteilung |
Übergangsregeln
Beim Wechsel zwischen Rechnungslegungsstandards:
- Neubeurteilung: Alle aktiven latenten Steuern müssen neu beurteilt werden
- Anpassungen: Eventuelle Anpassungen werden gegen das Eigenkapital gebucht
- Dokumentation: Erweiterte Anhangangaben sind erforderlich
Praktische Tipps
Best Practice
- Regelmässige Beurteilung: Beurteilen Sie die Realisierbarkeit mindestens vierteljährlich
- Dokumentation: Pflegen Sie eine gute Dokumentation aller Beurteilungen
- Prognosen: Verwenden Sie konservative, realistische Prognosen
- Abstimmung: Stimmen Sie mit der Steuerplanung ab
Häufige Fallstricke
- Automatische Aktivierung: Nicht aktivieren ohne gründliche Beurteilung
- Vergessene Auflösungen: Denken Sie daran aufzulösen, wenn die Kriterien nicht mehr erfüllt sind
- Falsche Klassifizierung: Stellen Sie die korrekte Klassifizierung als Anlage- oder Umlaufvermögen sicher
Fazit
Konto 1070 – Aktive latente Steuern ist ein komplexer, aber wichtiger Teil der Buchführung, der erfordert:
- Gründliche Analyse der temporären Differenzen
- Realistische Beurteilung der Realisierbarkeit
- Korrekte Berechnung und Darstellung
- Kontinuierliche Nachverfolgung und Überprüfung
Eine korrekte Handhabung aktiver latenter Steuern stellt sicher, dass die Jahresrechnung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der finanziellen Lage und der künftigen Steuersituation des Unternehmens vermittelt.