Was ist ein ERP-System?

Ein ERP-System (Enterprise Resource Planning) ist eine integrierte Softwarelösung, die alle Kerngeschäftsprozesse einer Organisation zusammenführt und koordiniert. Für Schweizer Unternehmen stellen ERP-Systeme das Rückgrat moderner Geschäftstätigkeit dar, in dem Buchhaltung , Finanzen, Produktion, Verkauf und Personaladministration in einer zusammenhängenden Plattform integriert werden.

Siehe auch: Finanzsystem

Abschnitt 1: Grundlegende Konzepte und Definition

ERP-Systeme basieren auf dem Prinzip der zentralen Datenintegration, bei der alle Geschäftsdaten in einer gemeinsamen Datenbank gespeichert sind und allen autorisierten Benutzern in Echtzeit zur Verfügung stehen. Dies eliminiert Datensilos und stellt sicher, dass alle Abteilungen mit denselben, aktuellen Informationen arbeiten.

ERP-System Kernarchitektur

1.1 Historische Entwicklung

ERP-Systeme haben sich von einfachen MRP-Systemen (Material Requirements Planning) in den 1960er-Jahren zu den heutigen umfassenden Geschäftsplattformen entwickelt:

  • 1960–1970: MRP – Fokus auf Produktionsplanung
  • 1980–1990: MRP II – Erweiterung auf Finanzplanung
  • 1990–2000: ERP – Integration aller Geschäftsprozesse
  • 2000–2010: ERP II – Webbasierte Lösungen und E-Commerce
  • 2010–heute: Cloud ERP – Cloudbasierte, mobile und KI-gesteuerte Systeme

1.2 Kernprinzipien

ERP-Systeme basieren auf vier grundlegenden Prinzipien, die eine effektive Geschäftstätigkeit gewährleisten:

ERP-System Grundprinzipien

  • Integration: Alle Module teilen dieselbe Datenbank und dasselbe Datenmodell
  • Echtzeitdaten: Informationen werden sofort systemübergreifend aktualisiert
  • Standardisierung: Gemeinsame Geschäftsprozesse und Arbeitsabläufe
  • Zentralisierung: Eine einzige Quelle der Wahrheit für alle Geschäftsdaten

Abschnitt 2: Kernmodule in ERP-Systemen

Moderne ERP-Systeme bestehen aus mehreren integrierten Modulen, die verschiedene Geschäftsbereiche abdecken. Für Schweizer Unternehmen sind insbesondere die Finanz- und Buchhaltungsmodule entscheidend, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Diese Systeme profitieren stark von der API-Integration und Automatisierung , um einen nahtlosen Datenfluss zwischen den verschiedenen Geschäftsprozessen sicherzustellen.

2.1 Finanzen und Buchhaltung

Das Finanzmodul ist das Herzstück jedes ERP-Systems und verarbeitet alle finanziellen Informationen. Es integriert sich nahtlos mit der Buchführung und gewährleistet die automatische Erfassung aller Transaktionen. ERP-Systeme sind auch grundlegend für die interne Rechnungslegung , wo sie Echtzeitdaten für Budgets, Kalkulationen und Leistungsmessung liefern.

ERP Finanzmodul Übersicht

Hauptfunktionen:

2.2 Verkauf und Marketing (CRM)

Das CRM-Modul (Customer Relationship Management) deckt den gesamten Kundenlebenszyklus vom Interessenten bis zum Bestandskunden ab.

Hauptfunktionen:

  • Lead-Management: Verfolgung potenzieller Kunden und Verkaufschancen
  • Auftragsabwicklung: Vom Angebot zur Rechnung und Lieferung
  • Lieferdokumentation: Automatische Erstellung von Lieferscheinen
  • Kundenservice: Fallbearbeitung und Supporthistorie
  • Verkaufsanalyse: Berichte zur Verkaufsleistung und Kundenrentabilität

2.3 Einkauf und Lieferantensteuerung

Das Einkaufsmodul optimiert Beschaffungsprozesse und Lieferantenbeziehungen.

Hauptfunktionen:

  • Bestellungen: Automatisierter Bestellprozess
  • Lieferantenbewertung: Beurteilung der Lieferantenleistung
  • Vertragsverwaltung: Administration von Lieferantenverträgen
  • Wareneingangskontrolle: Verifizierung der Lieferungen gegen Bestellungen und Lieferscheine

2.4 Produktion und Betrieb

Für Produktionsunternehmen ist dieses Modul entscheidend für einen effizienten Betrieb und die Kostenkontrolle.

Hauptfunktionen:

  • Produktionsplanung: Kapazitätsplanung und Ressourcenallokation
  • Lagerverwaltung: Echtzeitübersicht über Bestände und Lagerplatzsteuerung , oft integriert mit Strichcodes für automatische Warenverfolgung
  • Qualitätskontrolle: Rückverfolgbarkeit und Qualitätssicherung
  • Kostenrechnung: Detaillierte Verfolgung der Produktionskosten

2.5 Personal und Lohn (HRM)

Das HR-Modul verarbeitet alle personalrelevanten Prozesse und integriert sich mit den Schweizer Meldepflichten.

Hauptfunktionen:

Abschnitt 3: ERP-Systemtypen und Implementierungsmodelle

Moderne ERP-Systeme werden in verschiedenen Modellen angeboten, jedes mit eigenen Vor- und Nachteilen für Schweizer Unternehmen.

3.1 Vergleich der ERP-Modelle

ModellVorteileNachteileGeeignet für
On-PremiseVolle Kontrolle, Anpassung, DatensicherheitHohe Anfangskosten, IT-WartungGrosse Unternehmen mit IT-Ressourcen
Cloud ERPTiefe Anfangskosten, automatische UpdatesInternetabhängigkeit, weniger AnpassungKMU und wachsende Unternehmen
HybridFlexibilität, schrittweise MigrationKomplexe Architektur, IntegrationsschwierigkeitenUnternehmen im Übergang
SaaSSchnelle Implementierung, planbare KostenBegrenzte Anpassung, AnbieterabhängigkeitKleine bis mittlere Unternehmen

ERP Implementierungsmodelle

3.2 Verbreitete ERP-Systeme in der Schweiz

Schweizer Unternehmen haben Zugang zu internationalen und lokalen ERP-Lösungen:

Internationale Lösungen:

  • SAP: Marktführer für grosse Unternehmen
  • Microsoft Dynamics 365: Beliebt bei mittleren Unternehmen
  • Oracle NetSuite: Cloudbasierte Lösung für KMU
  • Infor: Branchenspezifische Lösungen

Schweizer Lösungen:

  • Abacus: Starke Position im Schweizer Markt
  • Bexio: Fokus auf kleine Unternehmen und Treuhandbüros
  • Opacc: Integrierte Lösung für KMU in der Schweiz

Abschnitt 4: Integration mit Schweizer Buchführung

Für Schweizer Unternehmen ist es entscheidend, dass das ERP-System die lokalen Rechnungslegungsvorschriften unterstützt und sich in die öffentlichen Systeme integriert.

4.1 Gesetzlich vorgeschriebene Berichterstattung

ERP-Systeme müssen alle Schweizer Berichtspflichten automatisch abwickeln:

ERP Integration mit Schweizer Behörden

Kritische Integrationen:

  • ESTV-Portal : Automatische Einreichung der MWST-Abrechnung und Steuererklärung
  • Lohnmeldungen : Meldungen an AHV/IV/EO und Pensionskassen
  • SAF-T: Standardisierter Buchhaltungsexport für die ESTV
  • Obligationenrecht (OR) : Einhaltung der Aufbewahrungspflichten

4.2 Automatisierte Belegverarbeitung

Moderne ERP-Systeme automatisieren die gesamte Belegverarbeitung vom Empfang bis zur Archivierung:

Prozessablauf:

  1. Eingangskontrolle: Automatisches Lesen von Rechnungen (OCR/KI)
  2. Visierung : Digitaler Genehmigungsworkflow
  3. Kontierung: Automatischer Vorschlag basierend auf Verlauf
  4. Buchführung : Sofortige Erfassung im Hauptbuch
  5. Archivierung: Digitale Aufbewahrung gemäss gesetzlichen Anforderungen

4.3 Bankabstimmung und Zahlungen

ERP-Systeme integrieren sich direkt mit Schweizer Banken für eine effiziente Geldflusssteuerung:

ERP Bankintegration

Hauptfunktionen:

Abschnitt 5: Implementierungsprozess

Eine erfolgreiche ERP-Implementierung erfordert gründliche Planung und einen systematischen Ansatz. Für Schweizer Unternehmen ist es besonders wichtig, die Einhaltung lokaler Anforderungen sicherzustellen.

5.1 Implementierungsphasen

ERP Implementierungsprozess

Phase 1: Planung und Analyse (2–4 Monate)

  • Bedarfsanalyse: Bestandsaufnahme bestehender Prozesse
  • Anbieterwahl: Evaluation der ERP-Systeme
  • Projektorganisation: Aufstellung des Projektteams
  • Budget und Zeitplan: Detaillierter Projektplan

Phase 2: Design und Konfiguration (3–6 Monate)

  • Prozessdesign: Optimierung der Geschäftsprozesse
  • Systemkonfiguration: Anpassung an die Unternehmensbedürfnisse
  • Integrationsdesign: Planung der Systemintegrationen
  • Testplanung: Entwicklung von Testszenarien

Phase 3: Tests und Schulung (2–3 Monate)

  • Systemtests: Verifizierung der Funktionalität
  • Integrationstests: Test des Datenflusses zwischen Systemen
  • Benutzerschulung: Kompetenzaufbau für Endbenutzer
  • Dokumentation: Entwicklung von Benutzerhandbüchern

Phase 4: Produktivsetzung (1–2 Monate)

  • Datenmigration: Überführung historischer Daten
  • Go-live: Start des Produktivsystems
  • Unterstützung und Überwachung: Intensiver Benutzersupport
  • Stabilisierung: Feinabstimmung und Optimierung

5.2 Kritische Erfolgsfaktoren

Verankerung in der Geschäftsleitung:

  • Klare Unterstützung durch die oberste Führungsebene
  • Ausreichende Ressourcen und Budget
  • Realistische Erwartungen und Zeitrahmen

Benutzerengagement:

  • Frühzeitige Einbindung der Endbenutzer
  • Umfassendes Schulungsprogramm
  • Effektives Change Management

Technische Qualität:

  • Gründliches Testen aller Funktionen
  • Robuste Datenmigrationsstrategie
  • Sichere Integration mit bestehenden Systemen

5.3 Häufige Herausforderungen und Lösungen

HerausforderungUrsacheLösung
BudgetüberschreitungenUnterschätzung der KomplexitätDetaillierte Planung, Puffer im Budget
VerzögerungenScope Creep, technische ProblemeStrenge Projektsteuerung, phasenweise Implementierung
BenutzerwiderstandMangelnde Einbindung, Angst vor VeränderungFrühzeitige Kommunikation, umfassende Schulung
DatenproblemeSchlechte Datenqualität, komplexe MigrationDatenbereinigung, gründliches Testen
IntegrationsfehlerUnterschätzte KomplexitätFrühzeitige Integrationstests, Expertenhilfe

Abschnitt 6: Vorteile und Nutzen

ERP-Systeme liefern erhebliche Vorteile für Schweizer Unternehmen, wenn sie korrekt implementiert und genutzt werden.

6.1 Operationelle Vorteile

ERP Operationelle Vorteile

Prozessoptimierung:

  • Automatisierung: Reduktion manueller Aufgaben um 40–60 %
  • Standardisierung: Einheitliche Prozesse über die gesamte Organisation
  • Eliminierung von Doppelarbeit: Eine Erfassung, mehrere Verwendungen
  • Schnellere Bearbeitung: Automatisierte Arbeitsabläufe

Verbesserte Datenqualität:

  • Echtzeitdaten: Aktualisierte Informationen sofort verfügbar
  • Konsistenz: Dieselben Daten werden von allen Abteilungen genutzt
  • Nachvollziehbarkeit: Vollständiger Prüfpfad für alle Transaktionen
  • Weniger Fehler: Automatische Validierung und Kontrollen

6.2 Strategische Vorteile

Bessere Entscheidungsfindung:

  • Echtzeitberichte: Sofortiger Zugang zu Kennzahlen
  • Integrierte Dashboards: Ganzheitliche Übersicht über das Unternehmen
  • Prädiktive Analyse: KI-gesteuerte Prognosen und Empfehlungen
  • Benchmarking: Vergleich mit Branchenstandards

Erhöhte Skalierbarkeit:

  • Flexible Architektur: Einfache Anpassung an Wachstum
  • Modularer Aufbau: Schrittweise Erweiterung der Funktionalität
  • Cloud-Skalierbarkeit: Automatische Ressourcenallokation
  • Globale Unterstützung: Abwicklung internationaler Operationen

6.3 Finanzielle Vorteile

Schweizer Unternehmen berichten typischerweise über folgende finanzielle Vorteile nach der ERP-Implementierung:

VorteilTypische VerbesserungZeithorizont
Reduzierte Verwaltungskosten15–25 %6–12 Monate
Verbessertes Umlaufvermögen10–20 %12–18 Monate
Schnellerer Monatsabschluss30–50 %3–6 Monate
Höhere Kundenzufriedenheit15–30 %6–12 Monate
Bessere Lieferantenverhandlungen5–15 %12–24 Monate

ERP-Systeme entwickeln sich rasant mit neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz, maschinellem Lernen und Internet of Things (IoT).

7.1 Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen

KI in ERP-Systemen

Aktuelle KI-Anwendungen:

  • Intelligente Automatisierung: Automatische Kontierung von Belegen
  • Prädiktive Analyse: Prognosen für Verkauf, Bestand und Geldfluss
  • Anomalieerkennung: Automatische Identifikation von Abweichungen und Fehlern
  • Chatbots: KI-gesteuerte Assistenten für den Benutzersupport
  • Intelligentes Reporting: Automatische Generierung von Erkenntnissen

Zukünftige Möglichkeiten:

  • Selbstlernende Systeme: ERP, das sich automatisch anpasst
  • Natural Language Processing: Sprach- und textbasierte Interaktion
  • Fortgeschrittene Prognosemodelle: Genauere Geschäftsprognosen
  • Automatische Compliance: KI, die die Einhaltung von Vorschriften sicherstellt

7.2 Cloud-First und Mobile ERP

Cloud-Vorteile:

  • Skalierbarkeit: Automatische Ressourcenallokation
  • Kosteneffizienz: Reduzierte IT-Kosten
  • Verfügbarkeit: 24/7-Zugang von überall
  • Automatische Updates: Immer die neueste Version

Mobile ERP-Funktionen:

  • Genehmigungsworkflows: Mobile Visierung von Belegen
  • Echtzeitberichte: Zugang zu Kennzahlen auf dem Mobilgerät
  • Felderfassung: Direkte Erfassung beim Kunden/Lieferanten
  • Push-Benachrichtigungen: Sofortige Meldungen bei kritischen Ereignissen

7.3 Internet of Things (IoT) Integration

IoT-Sensoren und smarte Geräte werden zunehmend in ERP-Systeme integriert:

Anwendungsbereiche:

  • Intelligente Lagerverwaltung: Automatische Bestandserfassung
  • Predictive Maintenance: Sensoren, die auf Wartungsbedarf hinweisen
  • Qualitätskontrolle: Kontinuierliche Überwachung von Produktionsprozessen
  • Energieoptimierung: Intelligente Steuerung des Energieverbrauchs

Ein hervorragendes Beispiel für IoT-Integration mit ERP-Systemen findet sich in der Landwirtschaft, wo der Datenfluss in der Landwirtschaft zeigt, wie Sensoren, Maschinen und automatisierte Systeme nahtlos in Buchhaltungssysteme integriert werden können.

Abschnitt 8: Auswahl eines ERP-Systems für Schweizer Unternehmen

Die Wahl des richtigen ERP-Systems ist eine kritische Entscheidung, die den Geschäftsbetrieb auf Jahre hinaus beeinflusst.

8.1 Evaluationskriterien

ERP Evaluationsprozess

Funktionale Anforderungen:

  • Branchenspezifische Funktionalität: Unterstützung der einzigartigen Unternehmensbedürfnisse
  • Schweizer Lokalisierung: Unterstützung der Schweizer Rechnungslegungsvorschriften und Berichterstattung
  • Integrationsmöglichkeiten: Anbindung an bestehende Systeme
  • Skalierbarkeit: Möglichkeit für zukünftiges Wachstum

Technische Anforderungen:

  • Architektur: Cloud, On-Premise oder Hybrid
  • Sicherheit: Datenschutz und Zugriffskontrolle, einschliesslich Zwei-Faktor-Authentifizierung
  • Leistung: Reaktionszeit und Systemkapazität
  • Mobilunterstützung: Zugang von mobilen Geräten

Anbieteranforderungen:

  • Erfahrung: Nachgewiesener Erfolg in der Schweiz
  • Support: Lokaler Support auf Deutsch
  • Finanzielle Stabilität: Langfristige Lebensfähigkeit des Anbieters
  • Partnernetzwerk: Zugang zu Implementierungspartnern

8.2 Total Cost of Ownership (TCO)

Bei der Evaluation von ERP-Systemen müssen Schweizer Unternehmen alle Kosten über die Systemlaufzeit berücksichtigen:

KostenkategorieOn-PremiseCloud ERPKommentar
LizenzkostenHohe EinmalkostenMonatliches/jährliches AbonnementCloud bietet planbare Kosten
Implementierung1–3× Lizenzkosten0,5–1,5× JahresabonnementCloud schneller zu implementieren
Hardware/InfrastrukturHochMinimalCloud eliminiert Serverkosten
IT-Betrieb und Wartung15–25 % jährlichIm Abonnement enthaltenCloud reduziert IT-Belastung
UpgradesHohe ProjektkostenEnthaltenCloud bietet kontinuierliche Verbesserungen
SchulungHoch bei UpgradesKontinuierlichCloud erfordert laufenden Kompetenzaufbau

8.3 Implementierungspartner

Die Wahl des richtigen Implementierungspartners ist ebenso wichtig wie die Wahl des ERP-Systems:

Evaluationskriterien für Partner:

  • Zertifizierungen: Offizieller Partnerstatus beim Anbieter
  • Branchenerfahrung: Nachgewiesene Erfahrung bei ähnlichen Unternehmen
  • Methodik: Strukturierte Implementierungsmethodik
  • Referenzen: Verifizierbare Kundenerfolge
  • Unterstützung: Langfristiger Support und Wartung

Abschnitt 9: ERP und Compliance in der Schweiz

Für Schweizer Unternehmen ist es entscheidend, dass das ERP-System alle gesetzlichen Anforderungen an die Buchführung und Berichterstattung unterstützt.

9.1 Rechnungslegungsanforderungen

ERP-Systeme müssen alle Aspekte der Schweizer Rechnungslegungsgesetzgebung unterstützen:

ERP Compliance Übersicht

Obligationenrecht (OR) und Verordnungen:

  • Vollständigkeitsprinzip: Alle Transaktionen müssen erfasst werden
  • Nachvollziehbarkeitsprinzip: Klarer Zusammenhang zwischen Beleg und Buchung
  • Aufbewahrungspflicht: Digitale Archivierung während mindestens 10 Jahren
  • Dokumentationspflicht: Ausreichende Dokumentation aller Positionen

Spezifische Schweizer Anforderungen:

  • SAF-T Export: Standardisierter Buchhaltungsexport
  • MWST-Behandlung : Automatische MWST-Berechnung und Berichterstattung
  • Währungsbehandlung: Unterstützung für CHF und Fremdwährungen
  • Kontenrahmen: Schweizer Kontenrahmen KMU

9.2 Datenschutzgesetz (DSG)

ERP-Systeme verarbeiten grosse Mengen an Personendaten und müssen das DSG einhalten:

Wichtige DSG-Anforderungen:

  • Verarbeitungsgrundlage: Rechtmässige Grundlage für jede Datenverarbeitung
  • Auskunftsrecht: Möglichkeit für Personen, ihre Daten einzusehen
  • Recht auf Löschung: Systematische Löschung veralteter Daten
  • Datenportabilität: Export von Daten in strukturiertem Format
  • Datenschutzverletzung: Verfahren zur Behandlung von Datenschutzvorfällen

9.3 Branchenspezifische Anforderungen

Verschiedene Branchen haben spezifische Anforderungen, die das ERP-System unterstützen muss:

Finanzdienstleistungen:

  • Kapitalanforderungen: Berechnung und Berichterstattung der Kapitaldeckung
  • Risikomanagement: Überwachung von Kredit- und Marktrisiko
  • Compliance-Berichterstattung: Automatische Berichterstattung an die FINMA

Gesundheitswesen:

  • Patientenakten: Sichere Verwaltung von Gesundheitsdaten
  • Medizinische Geräte: Verfolgung und Wartung medizinischer Geräte
  • Qualitätssicherung: Dokumentation der Behandlungsqualität

Öffentlicher Sektor:

  • Öffentlichkeitsprinzip: Verwaltung öffentlicher Dokumente
  • Beschaffungsregeln : Einhaltung der öffentlichen Beschaffungsvorschriften
  • Budgetsteuerung: Detaillierte Budgetkontrolle und Berichterstattung

Abschnitt 10: Messung des ERP-Erfolgs

Nach der Implementierung ist es wichtig zu messen, ob das ERP-System die erwarteten Vorteile liefert.

10.1 Kennzahlen (KPIs)

ERP KPI Dashboard

Finanzielle KPIs:

  • Umlaufvermögen : Verbesserung des Geldflusses
  • Eingesetztes Kapital : Optimierung der gesamten Kapitaleffizienz und ROCE-Messung
  • Monatsabschluss: Zeit vom Monatsende bis zum fertigen Abschluss
  • Rechnungsverarbeitung: Durchschnittliche Bearbeitungszeit pro Rechnung
  • Kosten pro Transaktion: Reduktion der Verwaltungskosten

Operationelle KPIs:

  • Systemverfügbarkeit: Betriebszeit und Leistung
  • Benutzerakzeptanz: Anteil aktiver Benutzer
  • Datenqualität: Fehlerquote bei Erfassungen
  • Prozesseffizienz: Reduktion der Bearbeitungszeit

Strategische KPIs:

  • Entscheidungsgeschwindigkeit: Zeit von Daten bis Entscheidung
  • Kundenzufriedenheit: Verbesserung des Kundenerlebnisses
  • Mitarbeiterzufriedenheit: Benutzerzufriedenheit mit dem System
  • Innovationsfähigkeit: Fähigkeit, neue Prozesse zu implementieren

10.2 Kontinuierliche Verbesserung

ERP-Systeme erfordern eine kontinuierliche Optimierung, um maximalen Wert zu liefern:

Optimierungsbereiche:

  • Prozessverbesserung: Regelmässige Überprüfung der Arbeitsabläufe
  • Benutzerschulung: Kontinuierlicher Kompetenzaufbau
  • System-Updates: Nutzung neuer Funktionen
  • Integrationen: Erweiterung mit neuen Systemen und Diensten

Best Practices:

  • Monatliche Benutzergruppen: Forum für Rückmeldungen und Verbesserungen
  • Quartalsweise Systemüberprüfung: Evaluation von Leistung und Nutzen
  • Jährliche strategische Bewertung: Beurteilung zukünftiger Bedürfnisse
  • Anbieterkooperation: Enger Dialog mit dem ERP-Anbieter

Fazit

ERP-Systeme stellen das Rückgrat moderner Geschäftstätigkeit für Schweizer Unternehmen dar. Korrekt implementiert und genutzt, liefern sie erhebliche Vorteile in Form von gesteigerter Effizienz, besserer Datenqualität und verbesserter Entscheidungsfindung.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in:

  • Gründlicher Planung: Detaillierte Analyse von Bedürfnissen und Anforderungen
  • Richtiger Systemwahl: ERP, das zur Unternehmensgrösse und Branche passt
  • Professioneller Implementierung: Erfahrene Partner und strukturierter Ansatz
  • Benutzerengagement: Umfassende Schulung und Change Management
  • Kontinuierlicher Verbesserung: Laufende Optimierung und Weiterentwicklung

Für Schweizer Unternehmen, die eine ERP-Implementierung in Betracht ziehen, ist es wichtig zu bedenken, dass es sich um eine langfristige Investition handelt, die erhebliche Ressourcen erfordert, aber das Unternehmen grundlegend transformieren kann. Mit dem richtigen Ansatz und den richtigen Erwartungen können ERP-Systeme zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil in der heutigen digitalen Wirtschaft werden.

Die Integration mit den Schweizer Rechnungslegungsvorschriften — von der Buchführung bis zur MWST-Berichterstattung — macht ERP-Systeme zu einer natürlichen Erweiterung der Buchhaltungsfunktion des Unternehmens und zu einer Investition in die digitale Geschäftstätigkeit der Zukunft.