Was sind Derivate?
Derivate sind Finanzkontrakte, deren Wert von Basiswerten, Indizes oder anderen Referenzwerten abgeleitet wird. Derivate werden für Risikomanagement, Spekulation und effiziente Kapitalallokation in der Schweizer Rechnungslegungs- und Finanzpraxis eingesetzt.
Definition und grundlegende Konzepte
Ein Derivat ist ein Finanzinstrument, das Rechte und Pflichten auf Basis des Werts eines Basiswerts begründet. Je nach Vertragskonditionen können Derivate zur Absicherung gegen Preisänderungen oder zur Spekulation auf Marktbewegungen eingesetzt werden.
Der Basiswert, das Verfallsdatum, der vereinbarte Preis (Strike) und die Kontraktgrösse (Notional) sind zentrale Elemente aller Derivate.
Arten von Derivaten
| Derivateart | Beschreibung | Häufige Anwendungen |
|---|---|---|
| Optionen | Recht, aber nicht Pflicht, einen Basiswert zu einem vereinbarten Preis zu kaufen oder zu verkaufen | Risikomanagement, Mitarbeiteroptionen |
| Futures | Standardisierter Vertrag über Kauf oder Verkauf eines Basiswerts an einem zukünftigen Datum | Rohstoffabsicherung, Spekulation |
| Forwards | Massgeschneiderter OTC-Vertrag über Kauf oder Verkauf zu einem zukünftigen Zeitpunkt | Angepasste Preis- und Volumengarantie |
| Swaps | Vereinbarung über den Austausch von Zahlungsströmen zwischen Parteien (z. B. Zinstausch) | Währungs-, Zins- und Kreditabsicherung |
Buchhalterische Behandlung
Derivate werden gemäss Swiss GAAP FER 27 (für FER-Anwender) oder OR Art. 960b (für KMU) erfasst und bewertet.
- Erstmalige Erfassung: Beizulegender Zeitwert am Vertragsdatum.
- Folgebewertung: Beizulegender Zeitwert über die Erfolgsrechnung oder das Gesamtergebnis, abhängig vom Geschäftsmodell.
- Hedge Accounting: Dokumentation und Effektivitätstests bei Absicherungszwecken.
Bewertungsmodelle
Gängige Modelle und Methoden zur Bewertung von Derivaten umfassen:
- Mark-to-Market — tägliche Aktualisierung zum Marktwert.
- Black–Scholes — Preismodell für europäische Optionen.
- Binomialmodell — diskrete Bewertung mit Möglichkeit der amerikanischen Ausübung.
- Monte-Carlo-Simulation — numerische Methode für komplexe und exotische Derivate.
Praktische Beispiele
- Währungsabsicherung: Ein Importeur von US-Waren nutzt Devisentermingeschäfte (Forwards), um den Wechselkurs zu sichern.
- Zinsswap: Ein Unternehmen tauscht einen variablen Zinssatz gegen einen festen Zinssatz auf ein Darlehen.
- Rohstoff-Futures: Ein Produzent verkauft Rohstoffe zur Lieferung in drei Monaten, um den Verkaufspreis abzusichern.
Risiko und Steuerung
- Marktrisiko — Exponierung gegenüber Preisänderungen des Basiswerts.
- Kreditrisiko — Risiko, dass die Gegenpartei ihren Verpflichtungen nicht nachkommt.
- Liquiditätsrisiko — Möglichkeit von Schwierigkeiten bei der Auflösung von Positionen.
- Operationelles Risiko — Prozess- und Systemfehler im Zusammenhang mit dem Derivatehandel.
Zusammenfassung und weiterführende Lektüre
Derivate bieten leistungsstarke Instrumente für Risikomanagement und Kapitalverwaltung, erfordern aber ein gründliches Verständnis von Bewertung, Verbuchung und Risikosteuerung.
Siehe auch:
Für mehr über Finanzinstrumente in der Buchhaltung, siehe Was ist Finanzbuchhaltung? .