Was ist ein Businessplan?
Ein Businessplan ist ein umfassendes Dokument, das die Ziele, Strategien und finanziellen Prognosen eines Unternehmens beschreibt. Für Buchhalter und Unternehmer ist der Businessplan ein zentrales Instrument, das nicht nur als Fahrplan für das Unternehmen dient, sondern auch als Grundlage für die finanzielle Planung , Budgetierung und buchhalterische Kontrolle.
Für die Erstellung eines wirksamen Businessplans ist es wichtig, zunächst ein klares Geschäftsmodell zu entwickeln.
Bevor Sie einen Businessplan ausarbeiten, sollten Sie eine klare Geschäftsidee haben, die das Kernkonzept und das Wertversprechen Ihres Unternehmens definiert.
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Abschnitt 1: Die Rolle des Businessplans in der Buchführung
Ein Businessplan bildet das Fundament für die gesamte Finanzsteuerung und Buchführung eines Unternehmens. Er legt die finanziellen Rahmenbedingungen fest, an denen die Buchführung später gemessen wird.
1.1 Zusammenhang mit dem Buchführungssystem
Der Businessplan wird auf mehreren Ebenen direkt in das Buchführungssystem des Unternehmens integriert:
- Budgetintegration: Die finanziellen Prognosen des Plans bilden die Grundlage für die Budgetplanung
- Kontenrahmenanpassung: Geplante Aktivitäten beeinflussen die Wahl der Kontostruktur im Kontenrahmen KMU bei der Buchführung
- Reportinggrundlage: Der Plan definiert, welche Kennzahlen und Berichte für die Kontrolle entscheidend sind
1.2 Rechtliche und buchhalterische Anforderungen
Für bestimmte Rechtsformen sind Businesspläne vorgeschrieben oder stark empfohlen:
| Rechtsform | Anforderung an Businessplan | Buchhalterische Implikationen |
|---|---|---|
| Aktiengesellschaft (AG) | Empfohlen bei Gründung | Grundlage für Aktienkapital - und Eigenkapitalplanung |
| Einzelunternehmen | Nicht vorgeschrieben | Wichtig für die Trennung von Privat- und Geschäftsvermögen |
| Kollektivgesellschaft | Empfohlen | Grundlage für Haftungsverteilung und Kapitalkonten |
Abschnitt 2: Hauptbestandteile des Businessplans
Ein vollständiger Businessplan besteht aus mehreren integrierten Teilen, die alle buchhalterische Implikationen haben.
2.1 Unternehmensbeschreibung und Marktanalyse
Die Unternehmensbeschreibung bildet die Grundlage für die buchhalterische Klassifizierung und Berichterstattung:
- Branchenzugehörigkeit: Beeinflusst die Wahl der Rechnungslegungsstandards und branchenspezifischer Anforderungen
- Aktivitätsart: Bestimmt, ob das Unternehmen im Detailhandel , Grosshandel oder in der Dienstleistung tätig ist
- Geografischer Wirkungsbereich: Beeinflusst die MWST-Behandlung und internationale Rechnungslegungsanforderungen
2.2 Organisationsstruktur und Geschäftsleitung
Die Organisationsstruktur hat direkten Einfluss auf die Buchführung:
- Eigentümerstruktur: Beeinflusst die Eigenkapital darstellung
- Leitungsstruktur: Definiert Verantwortlichkeiten für Buchführung und interne Kontrolle
- Abteilungsstruktur: Grundlage für eine allfällige Abteilungsbuchführung
2.3 Produkte und Dienstleistungen
Die Beschreibung von Produkten und Dienstleistungen beeinflusst mehrere buchhalterische Bereiche:
- Ertragserfassung: Bestimmt, wann und wie Erträge verbucht werden
- Lagerhaltung: Beeinflusst die Bewertung und Buchführung des Warenlagers
- MWST-Behandlung: Bestimmt den MWST-Satz und die MWST-Pflicht
Abschnitt 3: Finanzielle Planung und Prognosen
Der finanzielle Teil des Businessplans bildet den Kern für die gesamte buchhalterische Kontrolle.
3.1 Erfolgsbudget
Das Erfolgsbudget ist eine Prognose für das Betriebsergebnis des Unternehmens über die Planperiode:
Ertragsprognosen:
- Umsatzerlöse aus der Kerngeschäftstätigkeit
- Andere Betriebserträge
- Finanzerträge
Kostenprognosen:
- Betriebsaufwand (Löhne, Miete, Marketing)
- Warenaufwand und Einkauf
- Finanzaufwand
3.2 Liquiditätsbudget
Das Liquiditätsbudget plant den Geldfluss und ist entscheidend für den täglichen Betrieb:
| Monat | Eingehende Liquidität | Einzahlungen | Auszahlungen | Ausgehende Liquidität |
|---|---|---|---|---|
| Januar | CHF 100'000 | CHF 250'000 | CHF 200'000 | CHF 150'000 |
| Februar | CHF 150'000 | CHF 280'000 | CHF 220'000 | CHF 210'000 |
| März | CHF 210'000 | CHF 300'000 | CHF 240'000 | CHF 270'000 |
Kritische Faktoren für die Liquidität:
- Zahlungsbedingungen der Kunden und Debitoren management
- Zahlungsbedingungen der Lieferanten
- Saisonale Schwankungen bei Umsatz und Einkauf
- Investitionen in Anlagevermögen
3.3 Planbilanz
Die Planbilanz zeigt die geplante Finanzlage am Ende der Periode:
Aktiven:
- Umlaufvermögen (Flüssige Mittel, Forderungen, Vorräte)
- Anlagevermögen (Liegenschaften, Maschinen, immaterielle Vermögenswerte)
Fremdkapital und Eigenkapital:
- Kurzfristiges Fremdkapital (Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Steuerschulden)
- Langfristiges Fremdkapital (Bankdarlehen, Obligationenanleihen)
- Eigenkapital (einbezahltes und erwirtschaftetes Kapital)
Abschnitt 4: Finanzierungsplan und Kapitalstruktur
Der Finanzierungsplan beschreibt, wie das Unternehmen finanziert wird, und hat direkte Auswirkungen auf die Buchführung.
4.1 Eigenfinanzierung
Eigenfinanzierung umfasst Kapital von Eigentümern und einbehaltene Gewinne:
- Eignereinlagen: Bar- oder Sacheinlagen
- Einbehaltene Gewinne: Reinvestition von Vorjahresergebnissen
- Kapitalerhöhungen: Ausgabe neuer Aktien oder Stammanteile
4.2 Fremdfinanzierung
Fremdfinanzierung umfasst alle Formen von geliehenem Kapital:
- Bankdarlehen: Traditionelle Unternehmenskredite mit festem oder variablem Zinssatz (z. B. SARON-basiert)
- Lieferantenkredit: Aufgeschobene Zahlung an Lieferanten
- Factoring : Verkauf von Forderungen für sofortige Liquidität
- Leasing: Operatives oder Finanzleasing von Vermögenswerten
4.3 Alternative Finanzierungsformen
Moderne Unternehmen haben Zugang zu innovativen Finanzierungslösungen:
- Crowdfunding : Kapitalsammlung von vielen kleinen Investoren
- Crowdlending : Kredite von privaten Investoren über digitale Plattformen
- Öffentliche Fördermittel: Unterstützung durch Innosuisse, kantonale Wirtschaftsförderung und weitere öffentliche Stellen
Abschnitt 5: Risikoanalyse und Szenarioplanung
Eine gründliche Risikoanalyse ist essenziell für eine robuste finanzielle Planung und buchhalterische Kontrolle.
Für eine strukturierte Methode zur Bewertung interner und externer Faktoren siehe SWOT-Analyse .
5.1 Finanzielle Risiken
Liquiditätsrisiko:
- Risiko, dass das Unternehmen seine kurzfristigen Verpflichtungen nicht erfüllen kann
- Beeinflusst das Betriebskapital management und die Liquiditätsplanung
Kreditrisiko:
- Risiko von Verlusten auf Forderungen
- Erfordert systematisches Debitoren management und Wertberichtigungen
Währungsrisiko:
- Relevant für Unternehmen mit internationalem Handel
- Beeinflusst die Buchführung von Fremdwährungstransaktionen
5.2 Operationelle Risiken
Marktrisiko:
- Änderungen bei Nachfrage und Wettbewerbssituation
- Beeinflusst Ertragsprognosen und Bewertung von Vermögenswerten
Lieferantenrisiko:
- Abhängigkeit von kritischen Lieferanten
- Beeinflusst Kostenprognosen und Lagerplanung
Regulatorisches Risiko:
- Änderungen von Gesetzen und Verordnungen
- Kann Rechnungslegungsstandards und Berichterstattungspflichten beeinflussen
5.3 Szenarioplanung
Die Entwicklung verschiedener Szenarien hilft, potenzielle Ergebnisse zu verstehen:
| Szenario | Wahrscheinlichkeit | Umsatz Jahr 1 | Ergebnis Jahr 1 | Liquiditätsbedarf |
|---|---|---|---|---|
| Optimistisch | 20 % | CHF 5'000'000 | CHF 800'000 | CHF 500'000 |
| Realistisch | 60 % | CHF 3'500'000 | CHF 400'000 | CHF 750'000 |
| Pessimistisch | 20 % | CHF 2'000'000 | CHF −200'000 | CHF 1'200'000 |
Abschnitt 6: Umsetzung und Kontrolle
Ein Businessplan ist nur dann wertvoll, wenn er systematisch umgesetzt und über die Buchführung kontrolliert wird.
6.1 Budgetkontrolle
Monatliches Reporting:
- Vergleich der Ist-Zahlen mit dem Budget
- Analyse von Abweichungen und deren Ursachen
- Anpassung der Prognosen basierend auf neuen Erkenntnissen
Kennzahlen und KPIs :
- Deckungsbeitrag pro Produkt/Dienstleistung
- Eigenkapitalrentabilität
- Liquiditätsgrad und Betriebskapital
6.2 Buchhalterische Dokumentation
Belegverarbeitung:
- Systematische Belegerfassung aller Transaktionen
- Verknüpfung zwischen geplanten und tatsächlichen Aktivitäten
- Dokumentation , die die Buchführung stützt
Interne Kontrolle:
- Abstimmung der Konten mit externen Quellen
- Abweichungsmanagement bei Unstimmigkeiten
- Regelmässige Überprüfung der Buchführungsqualität
6.3 Überarbeitung und Aktualisierung
Jährliche Überprüfung:
- Bewertung der Genauigkeit und Relevanz des Plans
- Aktualisierung basierend auf Marktveränderungen und Erfahrungen
- Anpassung der finanziellen Ziele und Strategien
Kontinuierliche Verbesserung:
- Lernen aus Abweichungen zwischen Plan und Realität
- Verbesserung der Prognosemethoden und Planungsprozesse
- Anpassung an neue Rechnungslegungsstandards und Anforderungen
Abschnitt 7: Digitale Werkzeuge und Technologie
Moderne Businessplanung profitiert von digitalen Lösungen, die sich in Buchführungssysteme integrieren.
7.1 Integrierte Planungswerkzeuge
ERP-Systeme:
- Integration zwischen Businessplan und ERP-System
- Automatische Aktualisierung der Prognosen basierend auf Ist-Daten
- Echtzeitreporting und Dashboards
Cloudbasierte Lösungen:
- Zugriff auf Plandaten von überall
- Zusammenarbeit zwischen mehreren Benutzern
- Automatisches Backup und Versionskontrolle
7.2 Automatisierung und KI
Prognosewerkzeuge:
- Maschinelles Lernen für verbesserte Absatzprognosen
- Automatische Identifikation von Trends und Mustern
- Szenariomodellierung basierend auf historischen Daten
Buchführungsautomatisierung:
- Automatischer Belegempfang und -verarbeitung
- Elektronische Rechnungsstellung und QR-Rechnung
- Automatische Bankabstimmung
Abschnitt 8: Rechtliche und regulatorische Aspekte
Businesspläne müssen die geltenden Gesetze und Verordnungen berücksichtigen, die die Buchführung beeinflussen.
8.1 Buchführungsrecht und Rechnungslegung
Grundlegende Anforderungen:
- Einhaltung des Buchführungsrechts (OR Art. 957 ff.) und der Geschäftsbücherverordnung (GeBüV)
- Buchführungspflicht für verschiedene Unternehmenstypen
- Anforderungen an Dokumentation und Aufbewahrung (10 Jahre, OR Art. 958f)
Berichterstattungspflichten:
- Jährliche Genehmigung des Jahresabschlusses durch die Generalversammlung (OR Art. 958 Abs. 3)
- Lohnmeldung für Löhne und Sozialversicherungsbeiträge (AHV/IV/EO/ALV)
- MWST-Abrechnung und Steuererklärung
8.2 Sektorspezifische Anforderungen
Finanzdienstleistungen:
- Besondere Eigenmittelanforderungen und Solvenzvorschriften (FINMA-Rundschreiben)
- Berichterstattung an die FINMA
- Anforderungen an Risikomanagement und interne Kontrolle
Öffentliches Beschaffungswesen:
- Anforderungen an Beschaffungen über bestimmten Schwellenwerten (BöB)
- Dokumentation der Anschaffungskosten
- Transparenz und ethische Richtlinien
Abschnitt 9: Internationale Aspekte
Für Unternehmen mit internationaler Geschäftstätigkeit muss der Businessplan komplexe buchhalterische Herausforderungen behandeln.
9.1 Währungsmanagement
Transaktionswährung:
- Buchführung von Transaktionen in Fremdwährung
- Kurssicherung und Derivatinstrumente
- Auswirkungen auf Liquidität und Ergebnis
Berichtswährung:
- Umrechnung ausländischer Tochtergesellschaften
- Konsolidierungsherausforderungen
- Währungseffekte im Konzernabschluss
9.2 Verrechnungspreise
Internpricing (Transfer Pricing):
- Preisgestaltung von Transaktionen zwischen Konzerngesellschaften
- Dokumentationspflichten und Compliance (OECD-Leitlinien, ESTV-Kreisschreiben)
- Steuerliche Implikationen
Fazit
Ein Businessplan ist weit mehr als ein Dokument zur Beschaffung von Finanzierung — er ist ein lebendiges Instrument, das strategische Planung mit praktischer Buchführung verbindet. Für Buchhalter und Unternehmer bildet ein gut ausgearbeiteter Businessplan die Grundlage für:
- Systematische Finanzsteuerung durch integrierte Budget- und Buchführungskontrolle
- Risikomanagement durch Identifikation und Planung potenzieller Herausforderungen
- Strategische Entscheidungsunterstützung basierend auf finanziellen Analysen und Prognosen
- Compliance und Berichterstattung gemäss den geltenden Gesetzen und Verordnungen
Durch die Anwendung der in diesem Artikel beschriebenen Grundsätze und Methoden können Unternehmen Businesspläne entwickeln, die nicht nur externe Anforderungen erfüllen, sondern auch als wirkungsvolle Instrumente für die interne Steuerung und buchhalterische Kontrolle dienen. Die kontinuierliche Überwachung und Überarbeitung des Plans stellt sicher, dass er über den gesamten Lebenszyklus des Unternehmens relevant und wertvoll bleibt.
Ein Businessplan ist nie abgeschlossen — er muss laufend aktualisiert und an Veränderungen des Marktes, der Regulierung und der eigenen Unternehmensentwicklung angepasst werden. Damit wird er zu einem dynamischen Instrument, das sowohl den kurzfristigen Betrieb als auch das langfristige Wachstum unterstützt.