Was ist Festlohn in der Buchhaltung?
Festlohn ist ein fester monatlicher oder jährlicher Lohn, der an eine angestellte Person unabhängig von der Anzahl Arbeitsstunden, Produktion oder Leistung ausbezahlt wird. Dies ist die häufigste Lohnform in der Schweiz und stellt ein berechenbares Einkommen für die angestellte Person und eine fixe Lohnkostenlast für den Arbeitgeber dar. Der Festlohn steht im Gegensatz zu anderen Lohnformen wie Akkordlohn oder Stundenlohn.
Was kennzeichnet den Festlohn?
Der Festlohn hat mehrere charakteristische Merkmale, die ihn von anderen Lohnformen unterscheiden:
- Fester Betrag, der regelmässig ausbezahlt wird (monatlich oder jährlich)
- Unabhängig von der Arbeitszeit — der Lohn bleibt gleich, auch wenn etwas mehr oder weniger gearbeitet wird
- Berechenbar für Arbeitgeber und Angestellte
- Basierend auf dem Beschäftigungsgrad — Vollzeit (100 %) oder Teilzeit
- Grundlage für Ferienentschädigung und andere obligatorische Leistungen
Festlohn vs. andere Lohnformen
Der Festlohn unterscheidet sich von anderen Lohnformen in mehreren wichtigen Punkten:
| Lohnform | Berechnungsgrundlage | Berechenbarkeit | Flexibilität |
|---|---|---|---|
| Festlohn | Fester Monats-/Jahresbetrag | Hoch | Tief |
| Stundenlohn | Stunden × Stundensatz | Mittel | Hoch |
| Akkordlohn | Produzierte Einheiten × Satz | Tief | Hoch |
| Provisionslohn | Umsatz × Provisionssatz | Tief | Hoch |
Berechnung des Festlohns
Monatlicher Festlohn
Die häufigste Form ist der monatliche Festlohn, bei dem die angestellte Person jeden Monat denselben Betrag erhält:
Monatlicher Festlohn = Jahreslohn ÷ 12 Monate
(oder ÷ 13, falls 13. Monatslohn vereinbart)Beispiel:
- Jahreslohn: CHF 84'000
- Monatlicher Festlohn: 84'000 ÷ 12 = CHF 7'000 pro Monat
- Bei 13. Monatslohn: 84'000 ÷ 13 = CHF 6'462 pro Monat (+ 13. Auszahlung)
Beschäftigungsgrad und Teilzeit
Für Teilzeitangestellte wird der Festlohn anhand des Beschäftigungsgrades berechnet:
Teilzeit-Festlohn = Vollzeit-Jahreslohn × (Beschäftigungsgrad ÷ 100)Beispiel:
- Vollzeit-Jahreslohn: CHF 78'000
- Beschäftigungsgrad: 60 %
- Teilzeit-Jahreslohn: 78'000 × 0,60 = CHF 46'800
- Monatlicher Festlohn: 46'800 ÷ 12 = CHF 3'900 pro Monat
Ferienentschädigung und Zulagen
Beim Festlohn sind die Ferien im Monatslohn integriert (Lohnfortzahlung während der Ferien, OR Art. 329d). Zusätzliche obligatorische Beiträge:
| Beitrag | Berechnungsgrundlage | Satz |
|---|---|---|
| AHV/IV/EO (Arbeitgeber) | Bruttolohn | 5,3 % |
| ALV (Arbeitgeber) | Bruttolohn (bis CHF 148'200) | 1,1 % |
| FAK | Bruttolohn | Kantonal (1–3,5 %) |
| BVG (Arbeitgeber) | Koordinierter Lohn | Altersabhängig |
| UVG BU | Bruttolohn | Branchenabhängig |
Festlohn in der Buchhaltung
Buchhalterische Behandlung
Der Festlohn wird als Betriebsaufwand im Rechnungswesen erfasst. Die monatlichen Lohnkosten umfassen:
- Bruttolohn (inkl. Grundlohn und allfällige Zulagen)
- Arbeitgeberbeiträge AHV/IV/EO, ALV, FAK (ca. 7,5–10 %)
- BVG-Beitrag Arbeitgeberanteil (altersabhängig, mind. 50 %)
- UVG BU (Berufsunfallversicherung, arbeitgeberfinanziert)
Verbuchung des Festlohns
Die monatliche Verbuchung folgt diesem Muster:
Soll: Lohnaufwand CHF 7'000
Soll: Sozialversicherungsaufwand AG CHF 797
Soll: BVG-Aufwand Arbeitgeber CHF 230
Haben: Verbindlichkeiten Löhne CHF 5'912
Haben: Verbindlichkeiten Sozialversicherungen CHF 1'143
Haben: Verbindlichkeiten Quellensteuer CHF 742
Haben: Verbindlichkeiten BVG CHF 230Personalkontoführung
Alle Festlohn-Angaben müssen in der Personalkontoführung erfasst werden:
- Bruttolohn pro Monat
- Sozialversicherungsabzüge und andere Abzüge
- Ferienanspruch und Bezug
- Krankentaggeld und andere Leistungen
- Grundlage für den Lohnausweis
Alle diese Angaben müssen auch auf der monatlichen Lohnabrechnung ausgewiesen werden.
Vorteile und Nachteile des Festlohns
Vorteile für die angestellte Person
| Vorteil | Beschreibung |
|---|---|
| Berechenbare Finanzen | Gleiches Einkommen jeden Monat erleichtert die private Finanzplanung |
| Sicherheit | Der Lohn wird nicht durch Schwankungen in der Arbeitslast beeinflusst |
| Ferienanspruch | Lohnfortzahlung während der Ferien (OR Art. 329d) |
| Kreditmöglichkeiten | Banken bewerten ein festes Einkommen bei Kreditanträgen positiver |
Vorteile für den Arbeitgeber
- Berechenbare Lohnkosten erleichtern die Budgetierung
- Einfache Lohnadministration ohne komplizierte Berechnungen
- Stabile Belegschaft mit geringerer Fluktuation
- Einfachere Rekrutierung, da viele einen Festlohn bevorzugen
Nachteile und Herausforderungen
Für die angestellte Person:
- Begrenzte Möglichkeit, das Einkommen durch Mehrleistung zu steigern
- Kann sich unterbezahlt fühlen, wenn die Arbeitsbelastung stark steigt
- Weniger Flexibilität bei der Arbeitszeit
Für den Arbeitgeber:
- Lohnkosten laufen auch bei geringer Auslastung weiter
- Schwieriger, zu Mehrleistung zu motivieren
- Weniger Flexibilität in der Kostenstruktur
Festlohn und Arbeitsrecht
Gesetzliche Vorgaben
Der Festlohn ist durch das Obligationenrecht (OR Art. 319 ff.) und allfällige Gesamtarbeitsverträge geregelt:
- Mindestlohn muss eingehalten werden (wo GAV oder kantonaler Mindestlohn gilt)
- Normalarbeitszeit beträgt max. 45 bzw. 50 Stunden pro Woche (ArG Art. 9)
- Überstundenentschädigung bei Arbeit über die vertragliche Arbeitszeit (OR Art. 321c: 125 %)
- Ferien und Krankentaggeld werden auf Basis des Festlohns berechnet
Änderung des Festlohns
Änderungen am Festlohn erfordern:
- Schriftliche Vereinbarung beider Parteien (Vertragsänderung)
- Änderungskündigung bei einseitiger Lohnreduktion (mit Kündigungsfrist)
- Begründung bei Lohnreduktion
- Aktualisierung der Personalkontoführung
Festlohn in verschiedenen Branchen
Öffentlicher Sektor
Im öffentlichen Sektor ist der Festlohn die dominierende Lohnform:
- Lohnklassen und Erfahrungsstufen gemäss kantonalem Personalgesetz
- Automatische Lohnstufenanstiege basierend auf Dienstalter
- Zulagen für besondere Qualifikationen oder Verantwortung
- Pensionskasse über öffentlich-rechtliche Vorsorgeeinrichtung
Privater Sektor
Der private Sektor kombiniert Festlohn oft mit anderen Elementen:
- Grundlohn als feste Komponente
- Bonus oder Provision als variabler Teil
- Naturalleistungen wie Geschäftsfahrzeug, Mobiltelefon usw.
- Aktienoptionen oder andere Anreizprogramme
Festlohn und Steuern
Steuerpflicht
Der Festlohn ist steuerpflichtiges Einkommen:
- Erwerbseinkommen in der Steuererklärung
- Quellensteuer wird bei ausländischen Arbeitnehmenden monatlich abgezogen
- Arbeitgeberbeiträge sind vom Arbeitgeber geschuldet
- Grundlage für Sozialversicherungsbeiträge
Wichtig bei tiefem Lohn: Angestellte mit tiefem Festlohn (unter der Steuerfreigrenze ) zahlen effektiv keine oder nur minimale Einkommensteuer. AHV/IV/EO-Beiträge fallen aber dennoch an.
Abzüge
Beim Festlohn sind folgende Abzüge relevant:
| Art | Beschreibung | Steuerliche Behandlung |
|---|---|---|
| Berufsauslagen | 3 % des Nettolohns | Pauschalabzug (min. 2'000, max. 4'000 CHF) |
| Fahrtkosten | Pendlerkosten Wohn-/Arbeitsort | Effektive Kosten oder Pauschale |
| Verpflegungsmehrkosten | Auswärtige Verpflegung | CHF 3'200 pro Jahr |
| Naturalleistungen | Geschäftsfahrzeug, Dienstwohnung | Steuerpflichtiger Zuschlag |
Planung und Budget
Lohnbudget für Unternehmen
Bei der Planung des Lohnbudgets mit Festlohn muss das Unternehmen berücksichtigen:
- Grundlohn × Anzahl Angestellte × 12 (oder 13) Monate
- Arbeitgeberbeiträge (AHV/IV/EO, ALV, FAK: ca. 7,5–10 %)
- BVG-Beiträge (Arbeitgeberanteil, altersabhängig)
- UVG BU und weitere Versicherungen
- Lohnerhöhungen und Teuerungsausgleich
Beispiel jährliche Lohnkosten
Für eine angestellte Person mit CHF 84'000 Jahreslohn:
| Kostenelement | Betrag | Anteil am Grundlohn |
|---|---|---|
| Grundlohn | CHF 84'000 | 100 % |
| AHV/IV/EO (AG 5,3 %) | CHF 4'452 | 5,3 % |
| ALV (AG 1,1 %) | CHF 924 | 1,1 % |
| FAK (ca. 1,2 %) | CHF 1'008 | 1,2 % |
| BVG (AG, ca. 4 %) | CHF 3'360 | 4,0 % |
| UVG BU (ca. 0,5 %) | CHF 420 | 0,5 % |
| Total Lohnkosten | CHF 94'164 | 112,1 % |
Festlohn und betriebswirtschaftliche Analyse
Auswirkung auf die Rentabilität
Der Festlohn beeinflusst die betriebswirtschaftliche Analyse als Fixkosten:
- Bestandteil der Fixkosten bei der Break-Even-Analyse
- Beeinflusst die Deckungsbeitrags -Berechnungen
- Wichtige Komponente in der Betriebsergebnis -Analyse
Kapitalintensität
Unternehmen mit hohem Festlohnanteil haben:
- Höheres operatives Risiko bei Umsatzschwankungen
- Geringere Flexibilität in der Kostenstruktur
- Höheren Bedarf an Umlaufvermögen zur Bewältigung von Schwankungen
Meldewesen und Dokumentation
Lohnmeldung
Alle Festlöhne müssen jährlich über die Lohnmeldung an die Ausgleichskasse gemeldet werden:
- Bruttolohn pro Jahr und Person
- AHV-pflichtiger Lohn als Beitragsgrundlage
- BVG-versicherter Lohn
- Naturalleistungen und weitere beitragspflichtige Bestandteile
Lohnausweis
Zum Jahresende muss der Arbeitgeber einen Lohnausweis (Formular 11) ausstellen mit:
- Total Bruttolohn für das Jahr
- Sozialversicherungsabzüge (AHV/IV/EO, ALV, BVG, UVG NBU)
- Naturalleistungen und andere steuerpflichtige Vorteile
- Spesenpauschalen und Kostenerstattungen
Fazit
Der Festlohn ist die verbreitetste Lohnform in der Schweiz und bietet Berechenbarkeit für Arbeitgeber und Angestellte. Für Unternehmen stellt der Festlohn eine fixe Kostenlast dar, die sorgfältig im Budget und in der betriebswirtschaftlichen Analyse berücksichtigt werden muss. Die korrekte Handhabung in der Buchhaltung und gegenüber den Sozialversicherungen und Steuerbehörden ist entscheidend für eine gute Betriebsführung.
Verwandte Begriffe
- Grundlohn
- Monatslohn
- Jahreslohn
- Beschäftigungsgrad
- Lohnkosten
- Personalaufwand
- Arbeitgeberbeiträge
- Ferienentschädigung
Für Branchenzahlen und Lohnstatistiken siehe auch Durchschnittslohn in der Schweiz .