Was ist Abrechnung in der Buchführung?
Abrechnung in der Buchführung ist der Prozess, korrekte Beträge auf Basis von Schätzungen, Teilzahlungen, Periodenabgrenzungen oder externen Daten zu berechnen und zu verbuchen. Korrekte Abrechnungen stellen sicher, dass die Buchhaltung die tatsächliche wirtschaftliche Lage widerspiegelt und tragen zu einer zuverlässigen Finanzführung in Schweizer Unternehmen bei.
Was ist eine Abrechnung?
Eine Abrechnung bedeutet, Buchhaltungsdaten zu vergleichen und anzupassen, um sicherzustellen, dass alle Beträge korrekt und vollständig sind. Dies kann umfassen:
- Teilzahlungen: Wie Akontozahlungen
- Schätzungen: Verbrauch von Dienstleistungen oder Material vor Erhalt der Endrechnung
- Abstimmung: Wie MWST-Abrechnung
- Periodenabgrenzungen: Wie erarbeitete, nicht fakturierte Erträge
Typen der Abrechnung
| Abrechnungstyp | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Akontoabrechnung | Teilzahlung vor Endrechnung via Akontozahlung | 30 % bei Bestellung, 70 % bei Lieferung |
| MWST-Abrechnung | Abstimmung der Mehrwertsteuer mittels MWST-Abrechnung | Quartalsweise MWST-Abrechnung |
| Projektabrechnung | Anpassung basierend auf dem Fertigstellungsgrad des Projekts | Bau- und Anlagenprojekte |
| Jahresabrechnung | Endabrechnung beim Jahresabschluss | Anpassung von Rückstellungen |
| Lohnabrechnung | Abstimmung von Löhnen und Sozialversicherungsbeiträgen | Lohnausweis und Quellensteuer |
Prozess der Abrechnung
Schrittweise Übersicht über den Abrechnungsprozess:
1. Identifikation des Abrechnungsbedarfs
Der erste Schritt ist die Identifikation, welche Transaktionen eine Abrechnung erfordern:
- Vorauszahlungen: Wenn der Kunde im Voraus bezahlt hat
- Geschätzte Kosten : Wenn die tatsächlichen Kosten noch nicht bekannt sind
- Periodenabgrenzungen : Erträge und Aufwendungen, die dem Geschäftsjahr zuzuordnen sind
2. Datensammlung und Dokumentation
Sicherstellen, dass alle relevanten Daten verfügbar sind:
- Belege : Rechnungen, Quittungen, Verträge
- Bankauszüge: Für die Abstimmung von Zahlungen
- Zeitrapporte: Für Lohnabrechnungen und Projektarbeit
3. Berechnung und Anpassung
Durchführung der eigentlichen Abrechnung:
- Vergleich: Schätzungen mit tatsächlichen Zahlen vergleichen
- Anpassung: Differenzen auf den korrekten Konten verbuchen
- Kontrolle: Sicherstellen, dass alle Anpassungen korrekt sind
4. Verbuchung und Berichterstattung
Abrechnung in der Buchhaltung erfassen:
- Kontierung : Den richtigen Kontenrahmen verwenden
- Dokumentation: Alle Unterlagen aufbewahren
- Berichterstattung: In relevante Berichte aufnehmen
Abrechnung im Kontenrahmen KMU
Der Kontenrahmen KMU enthält mehrere Konten, die für Abrechnungen verwendet werden:
Umlaufvermögen (Klasse 1)
| Konto | Beschreibung | Zweck |
|---|---|---|
| 1530 | Nicht fakturierte Dienstleistungen | Abrechnung von Erträgen |
| 1560 | Forderungen gegenüber Konzerngesellschaften | Konzerninterne Abrechnung |
| 1790 | Durchlaufkonto | Temporäre Abrechnungen |
Kurzfristiges Fremdkapital (Klasse 2)
| Konto | Beschreibung | Zweck |
|---|---|---|
| 2160 | Nicht erarbeitete Erträge | Abrechnung von Vorauszahlungen |
| 2500 | Geschuldete Steuern | Steuerabrechnung |
| 2540 | Vorauszahlungen Steuern | Abrechnung der Steuervorauszahlungen |
Häufige Abrechnungsbeispiele
Beispiel 1: Projektabrechnung
Situation: Bauprojekt über CHF 10 Millionen, 60 % fertiggestellt
Berechnung:
- Vertragswert: CHF 10'000'000
- Fertigstellungsgrad: 60 %
- Erarbeiteter Ertrag: CHF 6'000'000
- Bisher fakturiert: CHF 5'500'000
- Abrechnung: CHF 500'000 auf Konto 1530
Verbuchung:
Soll: 1530 Nicht fakturierte Dienstleistungen 500'000
Haben: 3200 Dienstleistungsertrag 500'000Beispiel 2: MWST-Abrechnung
Situation: Quartalsweise MWST-Abrechnung (Q2)
Berechnung:
- Umsatzsteuer (geschuldete MWST): CHF 250'000
- Vorsteuer (bezahlte MWST): CHF 180'000
- Nettoschuld an ESTV: CHF 70'000
Verbuchung:
Soll: 2200 Geschuldete MWST 250'000
Soll: 1170 Vorsteuer auf Aufwand 180'000
Haben: 2201 Abrechnungskonto MWST 70'000Bei Zahlung an die ESTV:
Soll: 2201 Abrechnungskonto MWST 70'000
Haben: 1020 Bank 70'000Beispiel 3: Lohnabrechnung
Situation: Monatliche Lohnabrechnung
Komponenten:
- Bruttolohn: CHF 50'000
- AHV/IV/EO-Beiträge Arbeitgeber (5,3 %): CHF 2'650
- ALV-Beitrag Arbeitgeber (1,1 %): CHF 550
- BVG-Beitrag Arbeitgeber: CHF 3'000
- Quellensteuer/Abzug Arbeitnehmer: CHF 15'000
- Nettolohn: CHF 35'000
Digitalisierung der Abrechnung
Moderne ERP-Systeme können viele Abrechnungsprozesse automatisieren:
Automatisierte Funktionen
- Bankintegration: Automatische Abstimmung von Zahlungen (z. B. via camt.054-Meldungen)
- Projektverfolgung: Laufende Berechnung des Fertigstellungsgrads
- MWST-Berechnung: Automatische Erstellung der MWST-Abrechnung (Formular Nr. 405)
- Periodenabgrenzung: Automatische Abgrenzung wiederkehrender Aufwendungen
Kontrollumfeld
- Vier-Augen-Prinzip: Genehmigungspflicht für Abrechnungen
- Nachvollziehbarkeit: Vollständiger Audit-Trail für alle Anpassungen
- Berichterstattung: Automatische Erstellung von Abrechnungsberichten
Gesetzgebung und Rechnungslegungsstandards
Abrechnungen müssen den Schweizer Vorschriften entsprechen:
Obligationenrecht (OR)
- Art. 957–958: Pflicht zur Buchführung und Rechnungslegung
- Art. 958c: Grundsätze ordnungsmässiger Rechnungslegung (Klarheit, Vollständigkeit, Verlässlichkeit)
- Art. 960–960e: Bewertungsvorschriften für Aktiven und Verbindlichkeiten
Geschäftsbücherverordnung (GeBüV)
- Art. 2–3: Anforderungen an die Führung und Aufbewahrung der Geschäftsbücher
- Art. 5–6: Dokumentation und Aufbewahrungspflichten (10 Jahre)
Swiss GAAP FER
- FER 3: Darstellung und Gliederung — Periodenabgrenzung und Bewertung
- FER 22: Langfristfertigung — Abrechnung nach Fertigstellungsgrad (PoC-Methode)
- FER 11: Ertragssteuern — Steuerabrechnung und latente Steuern
Wichtige Fristen für Abrechnungen
Monatliche Abrechnungen
- Lohn: Monatliche Lohnabrechnung und AHV-Beitragsmeldung
- MWST: Quartalsweise bis 60 Tage nach Quartalsende (bei monatlicher Abrechnung: bis 60 Tage nach Monatsende)
- Bankabstimmungen: Monatlich
Quartals- und Halbjahresabrechnungen
- MWST-Abrechnung: Quartalsweise bei der ESTV einzureichen
- Quartalsberichte: Für börsenkotierte Unternehmen gemäss SIX-Kotierungsreglement
Jahresabrechnung
- Jahresabschluss : Abschlussstichtag (oft 31. Dezember)
- Jahresrechnung: Innerhalb von 6 Monaten nach Geschäftsjahresende (OR Art. 958 Abs. 3)
- Steuererklärung: Kantonal unterschiedliche Fristen, in der Regel bis 31. März (mit Fristverlängerung möglich)
Häufige Fehler bei Abrechnungen
Typische Fehlerquellen
- Fehlende Periodenabgrenzung: Erträge und Aufwendungen nicht korrekt abgegrenzt
- Falscher Zeitpunkt: Abrechnungen in der falschen Periode verbucht
- Mangelhafte Dokumentation: Fehlende Belege für Abrechnungsgrundlagen
- Doppelbuchung: Dieselbe Abrechnung mehrfach verbucht
Kontrollroutinen
- Monatliche Abstimmung: Regelmässige Kontrolle aller Durchlaufkonten und Abgrenzungen
- Unabhängige Kontrolle: Sicherstellen, dass eine zweite Person die Abrechnungen prüft
- Systematische Überprüfung: Jährliche Überprüfung der Abrechnungsroutinen
Best Practices für Abrechnungen
Organisatorische Massnahmen
- Klare Richtlinien: Schriftliche Abrechnungsrichtlinien erstellen
- Funktionstrennung: Trennung zwischen Ausführung und Kontrolle
- Kompetenz: Sicherstellen, dass Mitarbeitende die nötige Fachkompetenz haben
- Nachverfolgung: Regelmässige Überwachung der Abrechnungsprozesse
Technische Massnahmen
- Systemintegration: Verschiedene Systeme verknüpfen (ERP, Lohnbuchhaltung, Bank)
- Automatisierung: Routineabrechnungen automatisieren
- Berichtswesen: Aussagekräftige Abrechnungsberichte einrichten
- Datensicherung: Backup aller Abrechnungsdaten sicherstellen
Zusammenfassung
Abrechnung ist ein zentraler Prozess in der Schweizer Buchführung, der alle Arten von Anpassungen und Abstimmungen umfasst, um korrekte Buchungszahlen sicherzustellen. Von einfachen Akontozahlungen über MWST-Abrechnungen bis zu komplexen Projektabrechnungen erfordert jeder Typ einen systematischen Ansatz und eine solide Dokumentation.
Durch die Einführung robuster Abrechnungsroutinen, den Einsatz moderner Technologie und die Einhaltung der Best Practices können Schweizer Unternehmen eine transparente Finanzführung sicherstellen und alle gesetzlichen Anforderungen gemäss OR und GeBüV erfüllen. Abrechnung ist nicht nur ein technischer Prozess, sondern ein strategischer Beitrag zum langfristigen Unternehmenserfolg.