Statuten: Definition, Anforderungen und Bedeutung in der Schweizer Buchführung

Statuten sind das grundlegende Steuerungsdokument einer Gesellschaft, das die Organisation, den Zweck, die Kapitalstruktur und die Entscheidungsprozesse festlegt. In der Schweizer Buchhaltung und im Gesellschaftsrecht sind die Statuten eine gesetzliche Pflicht, die den Rahmen für den Betrieb der Gesellschaft bilden und sowohl die finanzielle Berichterstattung als auch die Corporate Governance beeinflussen.

Illustration des Statuten-Begriffs

Was sind Statuten?

Statuten sind die formellen Regeln einer Gesellschaft, die von den Gründern oder der Generalversammlung verabschiedet werden und den Namen, Zweck, das Aktienkapital, die Organisationsstruktur und die Entscheidungsbefugnisse der Gesellschaft festlegen.

Statuten werden unter anderem durch das Obligationenrecht (OR) (OR Art. 626 ff. für AG, OR Art. 776 für GmbH) und das ZGB (für Stiftungen und Vereine) geregelt.

Gesetzliche Anforderungen und rechtlicher Rahmen

Die Statuten müssen mindestens enthalten (OR Art. 626):

  • Firma (Gesellschaftsname) und Sitz
  • Zweck der Gesellschaft
  • Aktienkapital und Aufteilung der Aktien (Anzahl, Nennwert, Aktienkategorien)
  • Organe der Gesellschaft (Generalversammlung, Verwaltungsrat, Revisionsstelle)
  • Form der Mitteilungen an die Aktionäre
  • Regeln für Einberufung, Beschlussfassung und Statutenänderung

Diese Anforderungen stellen sicher, dass die Statuten sowohl die gesetzlichen Mindestanforderungen als auch den Bedarf der Gesellschaft an klarer Steuerung erfüllen.

Hauptkomponenten der Statuten

Hauptkomponenten der Statuten

KomponenteBeschreibung
Firma und SitzIdentifiziert die Gesellschaft im Handelsregister (ZEFIX)
Zweck der GesellschaftGibt an, welche Aktivitäten die Gesellschaft ausüben darf
Aktienkapital und AktienSpezifiziert Kapitalbetrag, Nennwert und Aktienkategorien
GeneralversammlungBeschlussorgan der Aktionäre, Einberufung und Abstimmungen
Verwaltungsrat und GeschäftsführungRegelwerk für Befugnisse, Zusammensetzung und Leitung des VR
StatutenänderungQualifiziertes Mehr, Fristen und Rechte bei Änderungsverfahren

Bedeutung für Buchführung und Corporate Governance

Die Statuten beeinflussen mehrere buchhalterische und administrative Aspekte:

ThemaRelevanz
FinanzberichterstattungDokumentation gebundener Reserven und Kapitalveränderungen
Kapitalerhöhung/-herabsetzungRegelt Verfahren und Anforderungen bei Änderung des Aktienkapitals (OR Art. 650 ff.)
DividendenbewilligungRahmen für die Gewinnausschüttung und Aktionärsbeschlüsse (OR Art. 675)
Verwaltungsratsverantwortung und ComplianceAnforderungen an interne Kontrolle und Verantwortung für die Einhaltung der Statuten

Wie Statuten erstellt und geändert werden

  1. Erstellung bei der Gründung: Inhalt wird im Gründungsakt (öffentliche Beurkundung) festgelegt und muss den Anforderungen des OR entsprechen.
  2. Genehmigung durch die Generalversammlung: Die Statuten werden von den Aktionären mit qualifiziertem Mehr beschlossen oder geändert (OR Art. 704).
  3. Registrierung: Änderungen müssen im Handelsregister eingetragen und im SHAB publiziert werden.
  4. Veröffentlichung: Neue Statuten müssen den Aktionären und Behörden zugänglich gemacht werden.

Siehe auch Was sind Statuten einer AG? für Details zu Statuten von Aktiengesellschaften.

Zusammenfassung

Die Statuten bilden das Fundament für die Führung und den Betrieb einer Gesellschaft und haben direkte Bedeutung für die Buchführung, die Dividendenbehandlung und die Verantwortung. Ein gründliches Verständnis des Inhalts und der gesetzlichen Anforderungen der Statuten ist entscheidend für Gründer, Verwaltungsratsmitglieder und Buchhalter gleichermassen.