Wachstum, neue Maschinen oder ein groesseres Lager: Frueher oder spaeter braucht fast jedes KMU zusaetzliches Kapital. Die Frage ist selten, ob finanziert wird, sondern wie. Die passende Finanzierungsform haengt von der Hoehe des Bedarfs, der Laufzeit und der Risikofaehigkeit des Unternehmens ab. Wer die Moeglichkeiten kennt und das Bankgespraech sauber vorbereitet, erhaelt bessere Konditionen und entscheidet schneller. Dieser Leitfaden ordnet die wichtigsten Optionen ein und zeigt, worauf es im Gespraech mit der Bank ankommt. Er ist Teil des Themenbereichs Finanzierung und Liquiditaet fuer KMU .

Eigenkapital oder Fremdkapital

Grundsaetzlich stehen zwei Wege offen: Eigenkapital und Fremdkapital. Eigenkapital stammt aus dem Unternehmen selbst oder von Investoren. Es muss nicht zurueckgezahlt werden und staerkt die Bilanz, verwaessert aber unter Umstaenden die Eigentumsverhaeltnisse. Fremdkapital wird von Dritten geliehen, ist befristet und kostet Zins, laesst die Beteiligungsverhaeltnisse jedoch unberuehrt.

Eine gesunde Mischung ist entscheidend. Eine hohe Eigenkapitalquote wirkt wie ein Polster gegen Krisen und verbessert die Verhandlungsposition bei der Bank. Wie sich diese Quote zusammensetzt, zeigt der Beitrag dazu, eine Bilanz lesen und verstehen zu lernen.

MerkmalEigenkapitalFremdkapital
Rueckzahlungkeinebefristet
KostenGewinnbeteiligungZins
Einfluss auf Eigentummoeglichkeiner
Wirkung auf Bilanzstaerkt Polstererhoeht Verschuldung

Bankkredit und Kontokorrent

Der klassische Bankkredit eignet sich fuer groessere, langfristige Investitionen. Er wird ueber eine feste Laufzeit in Raten zurueckgezahlt, oft besichert durch Maschinen, Immobilien oder Buergschaften. Wie sich Zins und Amortisation ueber die Jahre verteilen, erklaert der Leitfaden zu Darlehenszinsen und Tilgungsplaene .

Der Kontokorrentkredit dagegen ist eine flexible Kreditlimite auf dem Geschaeftskonto. Er ueberbrueckt kurzfristige Engpaesse, etwa wenn Kunden noch nicht bezahlt haben. Gezinst wird nur der tatsaechlich beanspruchte Betrag. Weil der Zins hoeher liegt als bei einem festen Kredit, sollte der Kontokorrent nicht zur Dauerfinanzierung werden.

Leasing und Factoring

Nicht jede Investition muss ueber einen Kredit laufen.

  • Leasing: Fahrzeuge, Maschinen oder IT werden gegen eine monatliche Rate genutzt, statt sie zu kaufen. Das schont die Liquiditaet und verteilt die Kosten ueber die Nutzungsdauer. Das Objekt bleibt meist im Eigentum der Leasinggesellschaft.
  • Factoring: Offene Kundenrechnungen werden an einen Factor verkauft, der den Betrag sofort auszahlt. So wird gebundenes Kapital frei, ohne auf den Zahlungseingang zu warten. Das ergaenzt ein gutes Debitorenmanagement verbessern .

Beide Formen verbessern die Liquiditaet, kosten aber eine Gebuehr. Sie lohnen sich vor allem, wenn dadurch Skonti genutzt oder Wachstumschancen wahrgenommen werden koennen.

Buergschaften fuer KMU

Wer zu wenig Sicherheiten bietet, erhaelt nicht immer einen Kredit. Hier helfen die anerkannten Buergschaftsorganisationen fuer KMU. Sie buergen gegenueber der Bank fuer einen Teil des Kredits und ermoeglichen so eine Finanzierung, die sonst scheitern wuerde.

Eine Buergschaft ersetzt das Bankgespraech nicht, sondern ergaenzt es: Das Unternehmen muss weiterhin einen tragfaehigen Plan und eine solide Bonitaet vorweisen. Fuer junge oder kapitalschwache Betriebe ist sie aber ein wertvoller Hebel, gerade in der Aufbauphase nach der Gruendung und Rechtsform in der Schweiz .

Unterlagen fuer die Bank

Eine Bank entscheidet anhand von Zahlen, nicht anhand von Versprechen. Wer vollstaendig und strukturiert auftritt, signalisiert Professionalitaet. Vorbereiten sollte man:

  • die letzten Jahresrechnungen mit Bilanz und Erfolgsrechnung,
  • eine aktuelle Liquiditaetsplanung und ein Budget,
  • einen Businessplan mit Verwendungszweck des Kredits,
  • einen Handelsregister-Auszug und Angaben zur Rechtsform,
  • bei Bedarf Belege zu Sicherheiten und offenen Verpflichtungen.

Wie die Planung aufgebaut wird, zeigt der Beitrag zur Liquiditaetsplanung erstellen . Eine ordentliche Buchfuehrung nach Obligationenrecht (OR) und ein sauberer KMU-Kontenrahmen sind die Basis dafuer, dass diese Unterlagen ueberhaupt aussagekraeftig sind.

Bonitaet verbessern

Die Bonitaet entscheidet ueber Zusage und Zinssatz. Sie laesst sich gezielt verbessern:

  • Eigenkapital staerken, etwa durch Gewinnthesaurierung statt hoher Ausschuettungen.
  • Debitoren konsequent eintreiben, damit weniger Kapital gebunden ist.
  • Verbindlichkeiten ordnen und Zahlungsmoral gegenueber Lieferanten und der ESTV pflegen.
  • Kennzahlen im Blick behalten, etwa Verschuldungsgrad und Liquiditaetsgrade.

Welche Werte die Bank besonders gewichtet, zeigt der Leitfaden zu den wichtigen Finanzkennzahlen fuer KMU . Schon kleine Verbesserungen ueber mehrere Quartale wirken sich spuerbar auf die Konditionen aus.

Bezug zur Liquiditaetsplanung

Finanzierung und Liquiditaet gehoeren zusammen. Ein Kredit loest kein Strukturproblem, sondern ueberbrueckt einen Bedarf. Nur wer weiss, wann welche Zahlungen fliessen, kann den richtigen Betrag und die richtige Laufzeit waehlen. Eine rollende Planung zeigt, ob ein Kontokorrent reicht oder ein fester Kredit noetig ist, und verhindert, dass man zu spaet oder zu teuer finanziert.

Ob Einzelfirma oder GmbH/AG: Eine vorausschauende Planung macht das Unternehmen unabhaengiger von kurzfristigen Engpaessen und gegenueber der Bank glaubwuerdig. So wird aus der Finanzierung ein Werkzeug fuer geplantes Wachstum statt eine Notloesung.

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