Die Bilanz ist eine Momentaufnahme deines Unternehmens an einem bestimmten Stichtag. Sie zeigt auf einen Blick, was das Unternehmen besitzt und wie diese Werte finanziert sind. Wer die Bilanz lesen kann, versteht die finanzielle Lage eines Schweizer KMU besser als jede einzelne Zahl aus der laufenden Buchhaltung. Dieser Leitfaden erklaert den Aufbau, die wichtigsten Begriffe und worauf du beim Lesen achten solltest. Eine gute Grundlage dazu bieten auch die allgemeinen Buchhaltungsgrundlagen fuer KMU .

Aufbau der Bilanz

Eine Bilanz hat immer zwei Seiten, die sich gegenueberstehen. Links stehen die Aktiven, rechts die Passiven. Beide Seiten ergeben in der Summe stets denselben Betrag, die Bilanzsumme. Genau diese Gleichheit gibt der Bilanz ihren Namen.

Aktiven (Mittelverwendung)Passiven (Mittelherkunft)
UmlaufvermoegenFremdkapital
AnlagevermoegenEigenkapital

Die Aktiven zeigen, wofuer das Geld verwendet wurde. Die Passiven zeigen, woher das Geld stammt. Beide Seiten betrachten also dasselbe Vermoegen, nur aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln.

Aktiven und Passiven verstehen

Die Aktiven umfassen alles, was dem Unternehmen gehoert oder ihm geschuldet wird: das Bankguthaben, der Bargeldbestand, offene Kundenforderungen, das Warenlager sowie Maschinen, Fahrzeuge und Immobilien.

Die Passiven zeigen, wie diese Vermoegenswerte finanziert sind. Ein Teil stammt von aussen, etwa von Lieferanten oder Banken. Ein anderer Teil gehoert den Eigentuemern selbst. Die Passiven sind nach Faelligkeit geordnet: kurzfristige Verpflichtungen zuerst, danach langfristige, am Schluss das Eigenkapital.

Umlauf- und Anlagevermoegen

Die Aktiven werden in zwei Gruppen geteilt, geordnet nach ihrer Liquiditaet.

  • Umlaufvermoegen: Werte, die kurzfristig im Geschaeftsbetrieb umgesetzt werden. Dazu gehoeren fluessige Mittel, Wertschriften, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie Vorraete. Diese Posten lassen sich relativ schnell in Geld umwandeln.
  • Anlagevermoegen: Werte, die dem Unternehmen langfristig dienen. Dazu zaehlen Maschinen, Mobiliar, Fahrzeuge, Immobilien sowie immaterielle Werte wie Lizenzen oder Software. Diese Posten verlieren ueber die Jahre an Wert, was sich in den Abschreibungen niederschlaegt.

Diese Einteilung folgt dem KMU-Kontenrahmen, der die Konten systematisch ordnet. Eine Uebersicht dazu findest du beim Schweizer Kontenrahmen .

Fremd- und Eigenkapital

Auf der Passivseite trennt man zwischen geliehenem und eigenem Geld.

Das Fremdkapital umfasst alle Verpflichtungen gegenueber Dritten. Es wird wiederum in kurzfristiges und langfristiges Fremdkapital unterteilt:

  • Kurzfristiges Fremdkapital: Verbindlichkeiten, die innerhalb eines Jahres faellig werden, etwa offene Lieferantenrechnungen, geschuldete Mehrwertsteuer (MWST) gegenueber der ESTV oder kurzfristige Kredite.
  • Langfristiges Fremdkapital: Verpflichtungen mit einer Laufzeit ueber einem Jahr, zum Beispiel Hypotheken oder langfristige Darlehen.

Das Eigenkapital ist der Teil des Vermoegens, der nach Abzug aller Schulden den Eigentuemern gehoert. Bei einer Einzelfirma besteht es im Wesentlichen aus dem Kapitalkonto und dem Privatkonto. Bei einer GmbH oder AG setzt es sich aus dem Stamm- beziehungsweise Aktienkapital, den gesetzlichen und freiwilligen Reserven sowie dem Gewinnvortrag zusammen.

Die Bilanzgleichung

Hinter jeder Bilanz steht eine einfache Gleichung, die immer aufgehen muss:

Aktiven = Fremdkapital + Eigenkapital

Stellt man diese Gleichung um, zeigt sich besonders gut, was das Eigenkapital wirklich ist:

Eigenkapital = Aktiven - Fremdkapital

Das Eigenkapital ist also kein Geldbetrag auf einem Konto, sondern ein Rechenresultat. Es entspricht dem, was nach Begleichung aller Schulden uebrig bliebe. Dieses Prinzip ist die Grundlage der doppelten Buchfuehrung , bei der jeder Geschaeftsfall auf beiden Seiten der Bilanz wirkt und die Gleichung im Gleichgewicht haelt.

Was die Bilanz ueber Stabilitaet sagt

Eine Bilanz verraet mehr als nur Bestaende. Aus dem Verhaeltnis der Posten lassen sich Rueckschluesse auf die finanzielle Stabilitaet ziehen:

  • Ein hoher Anteil Eigenkapital an der Bilanzsumme deutet auf eine solide Finanzierung hin und macht das Unternehmen widerstandsfaehiger gegenueber schwierigen Phasen.
  • Deckt das Umlaufvermoegen das kurzfristige Fremdkapital, ist die Zahlungsfaehigkeit kurzfristig gesichert.
  • Ist das Eigenkapital aufgezehrt oder gar negativ, spricht man von einer Ueberschuldung, die nach Obligationenrecht besondere Pflichten ausloesen kann.

Diese Zusammenhaenge lassen sich mit Kennzahlen praezisieren. Mehr dazu im Beitrag zu den wichtigen Finanzkennzahlen fuer KMU . Die Bilanz allein zeigt jedoch nur den Stichtag, nicht die Entwicklung im Jahr. Dafuer braucht es die Erfolgsrechnung.

Bezug zur Jahresrechnung nach OR

Die Bilanz ist Teil der Jahresrechnung, die das Obligationenrecht (OR) fuer buchfuehrungspflichtige Unternehmen vorschreibt. Die Jahresrechnung besteht aus drei Bausteinen:

  1. der Bilanz mit Aktiven und Passiven am Stichtag,
  2. der Erfolgsrechnung mit Aufwand und Ertrag der Periode,
  3. dem Anhang, der ergaenzende Angaben liefert.

Bilanz und Erfolgsrechnung sind eng verknuepft: Der in der Erfolgsrechnung ermittelte Gewinn oder Verlust fliesst ins Eigenkapital der Bilanz. Wie die zweite Saeule aufgebaut ist, zeigt der Leitfaden zum Aufbau der Erfolgsrechnung . Wer im Handelsregister eingetragen ist, muss die OR-Vorgaben zur Rechnungslegung einhalten. Den gesamten Ablauf erklaert der Beitrag zum Jahresabschluss in der Schweiz .

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