Soll und Haben sind die zwei Seiten jeder Buchung. Wer diese beiden Begriffe einmal richtig verstanden hat, kann praktisch jeden Geschaeftsfall im eigenen KMU sicher verbuchen. Die Faustregel ist denkbar einfach: Soll steht links, Haben steht rechts. Was hinter diesen Worten steckt und wie daraus ein nachvollziehbarer Buchungssatz wird, zeigt dieser Leitfaden Schritt fuer Schritt.

Was Soll und Haben bedeuten

Jedes Konto hat in der Buchhaltung eine linke und eine rechte Seite. Die linke Seite heisst Soll, die rechte Seite heisst Haben. Die Begriffe sagen zunaechst nichts darueber aus, ob etwas zunimmt oder abnimmt. Ob eine Buchung im Soll oder im Haben steht, haengt vom Kontentyp ab.

In der doppelten Buchfuehrung wird jeder Geschaeftsfall auf mindestens zwei Konten gebucht: einmal im Soll und einmal im Haben. Die Summe der Soll-Betraege muss immer der Summe der Haben-Betraege entsprechen. Diese Logik ist das Herzstueck der doppelten Buchfuehrung verstehen , denn nur so bleibt die Bilanz jederzeit im Gleichgewicht.

Aktiv- und Passivkonten

Die Bilanz besteht aus Aktivkonten und Passivkonten. Aktiven sind, was das Unternehmen besitzt, zum Beispiel Bank, Kasse, Forderungen oder Maschinen. Passiven sind, woher das Geld stammt, also Verbindlichkeiten gegenueber Lieferanten, Darlehen oder das Eigenkapital.

Die Buchungsregel folgt daraus direkt:

  • Aktivkonten nehmen im Soll zu und im Haben ab.
  • Passivkonten nehmen im Haben zu und im Soll ab.

Wer sich nur diese vier Faelle merkt, hat den groessten Teil der Bilanzbuchungen bereits im Griff. Wie sich diese Konten am Jahresende zusammensetzen, zeigt der Leitfaden zum Thema Bilanz lesen und verstehen .

Aufwand und Ertrag

Neben der Bilanz gibt es die Erfolgsrechnung mit Aufwand und Ertrag. Auch hier gilt eine klare Regel:

  • Aufwandkonten (zum Beispiel Material, Miete, Loehne) nehmen im Soll zu.
  • Ertragskonten (zum Beispiel Umsatzerloese) nehmen im Haben zu.

Damit ergibt sich eine praktische Merkhilfe fuer alle vier Kontentypen:

KontentypZunahmeAbnahme
AktivkontoSollHaben
PassivkontoHabenSoll
AufwandSollHaben
ErtragHabenSoll

Wie sich Aufwand und Ertrag zum Ergebnis verdichten, erlaeutert der Beitrag zum Aufbau der Erfolgsrechnung .

Einfache Buchungssaetze

Ein Buchungssatz beschreibt, welches Konto im Soll und welches im Haben angesprochen wird. Die uebliche Schreibweise lautet: Soll an Haben. Gesprochen heisst das beispielsweise “Bank an Umsatzerloese”.

Hier einige typische Geschaeftsfaelle aus dem Alltag eines KMU:

GeschaeftsfallSollHaben
Kunde zahlt eine Rechnung auf das BankkontoBankForderungen
Einkauf von Material gegen RechnungMaterialaufwandVerbindlichkeiten
Barbezug fuer die Kasse vom BankkontoKasseBank
Bezahlung der Bueromiete per BankMietaufwandBank

Jede dieser Buchungen ist ausgeglichen: Der Soll-Betrag entspricht dem Haben-Betrag. Genau dieses Gleichgewicht macht die Buchhaltung pruefbar und stabil. Damit jede Buchung sauber belegt ist, lohnt sich ein Blick darauf, wie sich Buchungsbelege richtig erstellen lassen.

Typische Anfaengerfehler

Beim Einstieg passieren immer wieder dieselben Fehler. Die haeufigsten lassen sich gut vermeiden:

  • Soll und Haben vertauscht: Ein Zahlungseingang wird faelschlich der Bank im Haben gutgeschrieben, statt im Soll. Die Bank ist ein Aktivkonto und nimmt im Soll zu.
  • Aufwand und Auszahlung verwechselt: Wer Material gegen Rechnung kauft, bucht den Aufwand, nicht die Bank. Erst die spaetere Zahlung beruehrt das Bankkonto.
  • Privates und Geschaeftliches vermischt: Private Bezuege gehoeren nicht in den Aufwand. Hierfuer hilft es, das Privat- und Geschaeftskonto zu trennen .
  • MWST vergessen: Bei mehrwertsteuerpflichtigen Geschaeftsfaellen muss die Mehrwertsteuer (MWST) separat erfasst werden, damit die spaetere Abrechnung mit der ESTV stimmt.
  • Ungleiche Betraege: Soll und Haben muessen exakt uebereinstimmen. Eine Differenz ist immer ein Hinweis auf einen Fehler.

Bezug zum KMU-Kontenrahmen

Damit Soll und Haben in der Praxis funktionieren, braucht es einen sauberen Kontenplan. Der in der Schweiz weit verbreitete KMU-Kontenrahmen liefert eine standardisierte Struktur mit Aktiven, Passiven, Aufwand und Ertrag. Er ordnet die Konten in logische Klassen und macht so klar, wohin ein Betrag fachlich gehoert.

Ein durchdachter Kontenplan erleichtert nicht nur das Buchen, sondern auch den Jahresabschluss nach Obligationenrecht (OR) und die MWST-Auswertung. Wer seine Konten von Anfang an sinnvoll aufbaut, spart sich spaeter viel Korrekturarbeit. Eine Uebersicht bietet der KMU-Kontenrahmen der Schweiz , und konkrete Hilfe zum Aufbau gibt der Leitfaden, wie sich ein Kontenplan fuer KMU aufbauen laesst.

Ob Einzelfirma oder GmbH: Die Logik von Soll und Haben bleibt dieselbe. Unterschiede zeigen sich vor allem bei Eigenkapital und Privatbezuegen, nicht bei der Buchungsmechanik selbst.

Uebungsbeispiele aus dem Alltag

Zum Schluss drei Faelle zum Mitdenken. Versuchen Sie, den Buchungssatz selbst zu formulieren, bevor Sie die Loesung lesen:

  1. Eine Kundin bezahlt die Rechnung bar. Loesung: Kasse an Forderungen. Die Kasse (Aktivkonto) nimmt im Soll zu, die Forderung verschwindet im Haben.
  2. Sie bezahlen die Telefonrechnung per Bank. Loesung: Verwaltungsaufwand an Bank. Der Aufwand steigt im Soll, die Bank nimmt im Haben ab.
  3. Sie nehmen ein Bankdarlehen auf. Loesung: Bank an Darlehen. Die Bank steigt im Soll, das Darlehen (Passivkonto) steigt im Haben.

Mit etwas Uebung werden diese Saetze zur Routine. Wer sich die Kontentypen und ihre Zunahme-Regel merkt, bucht schnell und sicher. Eine breitere Einordnung bieten die Buchhaltungsgrundlagen fuer KMU .

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