Am Jahresende haben viele Mitarbeitende noch Ferientage oder Ueberstunden offen. Diese nicht bezogenen Guthaben sind keine blosse Randnotiz, sondern eine echte Verpflichtung des Unternehmens gegenueber den Angestellten. Wer sie im Abschluss ignoriert, weist die Personalkosten zu tief aus und zeigt einen zu schoenen Gewinn. Mit einer sauberen Ferien- und Ueberstundenrueckstellung zeigt die Jahresrechnung den tatsaechlichen Aufwand der Periode.

Warum Rueckstellungen noetig sind

Das Obligationenrecht (OR) verlangt eine periodengerechte Erfolgsrechnung. Aufwand muss in dem Jahr erfasst werden, in dem er wirtschaftlich entstanden ist. Ferien und Ueberstunden werden durch die Arbeit im laufenden Jahr verdient, oft aber erst im Folgejahr bezogen oder ausbezahlt. Ohne Rueckstellung fallen die Kosten erst dann an, wenn die Tage tatsaechlich bezogen werden, und das verzerrt beide Jahre.

Eine Rueckstellung sorgt deshalb fuer:

  • eine periodengerechte Zuordnung der Personalkosten,
  • einen realistischen Gewinnausweis,
  • eine vollstaendige Abbildung der Verpflichtungen in der Bilanz.

Wie Rueckstellungen grundsaetzlich funktionieren, beschreibt der Leitfaden zum Thema Rueckstellungen bilden und aufloesen .

Berechnung der Ferienguthaben

Grundlage ist der offene Ferienanspruch pro Person am Stichtag. Pro Mitarbeitenden wird der Tagessatz mit den noch offenen Ferientagen multipliziert. Ein praktikabler Tagessatz ergibt sich aus dem Jahreslohn geteilt durch die durchschnittliche Anzahl Arbeitstage pro Jahr.

Wichtig ist, den Lohn moeglichst vollstaendig anzusetzen, nicht nur den Grundlohn:

BestandteilIn den Tagessatz einbeziehen?
GrundlohnJa
13. Monatslohn (anteilig)Ja
Regelmaessige ZulagenJa, wenn dauerhaft
Arbeitgeberbeitraege SozialversicherungenJa, anteilig
Einmalige BoniIn der Regel nein

Die anteiligen Arbeitgeberbeitraege (AHV/IV/EO, ALV, BVG, UVG) gehoeren mit in die Bewertung, denn auch sie fallen beim spaeteren Bezug an. Ein einfaches Beispiel: Hat eine Person 6 offene Ferientage und einen Tagessatz inkl. Sozialleistungen von rund 320 Franken, betraegt die Rueckstellung fuer diese Person etwa 1'920 Franken.

Ueberstunden bewerten

Bei Ueberstunden und Mehrstunden wird gleich vorgegangen, allerdings auf Stundenbasis. Massgebend ist der Stundenansatz, gegebenenfalls inklusive Zuschlag, falls vertraglich oder gesetzlich ein Zuschlag geschuldet ist.

  • Mehrstunden bis zur gesetzlichen Hoechstarbeitszeit: meist ohne Zuschlag.
  • Ueberstunden im Sinne des OR: je nach Regelung mit Zuschlag, sofern keine abweichende schriftliche Vereinbarung besteht.
  • Kompensation vereinbart: nur der reine Stundenwert ist relevant, falls kein Zuschlag faellig wird.

Pruefen Sie Arbeitsvertraege und ein allfaelliges Reglement, bevor Sie den Ansatz festlegen. So verhindern Sie, dass die Bewertung zu hoch oder zu tief ausfaellt.

Buchungssatz fuer die Rueckstellung

Gebucht wird im KMU-Kontenrahmen als Personalaufwand gegen ein Passivkonto. Typisch ist:

  • Soll: Personalaufwand (z. B. Ferien- und Ueberstundenaufwand)
  • Haben: Rueckstellung Ferien und Ueberstunden (kurzfristige Verbindlichkeit / passive Rechnungsabgrenzung)

Damit steigt der Aufwand des laufenden Jahres, und die Verpflichtung erscheint in der Bilanz. Wie der laufende Personalaufwand grundsaetzlich erfasst wird, zeigt der Beitrag zum Thema Personalkosten verbuchen . Das passende Passivkonto fuer offene Ferienguthaben beschreiben die Urlaubsrueckstellungen im Kontenrahmen . Eng verwandt sind unterjaehrige Abgrenzungen, die im Leitfaden zu Lohnabgrenzungen zum Monatsabschluss erklaert werden.

Aufloesung im Folgejahr

Im Folgejahr werden die Guthaben bezogen oder ausbezahlt. Dann wird die Rueckstellung aufgeloest, damit der Aufwand nicht doppelt entsteht.

In der Praxis bewaehrt sich ein einfacher Ansatz: Am naechsten Stichtag wird der offene Ferien- und Ueberstundenbestand neu bewertet, und die Rueckstellung wird auf diesen neuen Wert angepasst. Ist der neue Bestand tiefer, wird die Differenz ertragswirksam aufgeloest. Ist er hoeher, wird zusaetzlicher Aufwand gebucht. So bleibt die Position stets aktuell, ohne dass jeder einzelne Bezug separat verbucht werden muss.

Auswirkung auf den Gewinn

Die erstmalige Bildung der Rueckstellung senkt den Gewinn des laufenden Jahres, weil der bislang nicht erfasste Aufwand nachgeholt wird. In den Folgejahren wirkt sich nur noch die Veraenderung des Bestands aus:

SituationWirkung auf den Gewinn
Erstmalige BildungGewinn sinkt
Bestand steigtGewinn sinkt (zusaetzlicher Aufwand)
Bestand sinktGewinn steigt (Aufloesung)
Bestand unveraendertKeine Wirkung

Eine bewusst zu hohe Rueckstellung kann als stille Reserve wirken. Das ist im handelsrechtlichen Rahmen teilweise zulaessig, sollte aber massvoll und nachvollziehbar bleiben, damit der Abschluss aussagekraeftig bleibt und gegenueber der ESTV standhaelt.

Dokumentation fuer den Abschluss

Damit die Rueckstellung pruefbar ist, gehoert zu jedem Stichtag eine nachvollziehbare Berechnung. Bewaehrt hat sich eine einfache Liste mit:

  • Name bzw. Personalnummer,
  • offene Ferientage und Ueberstunden am Stichtag,
  • verwendeter Tages- bzw. Stundenansatz,
  • berechneter Betrag pro Person und Total,
  • Hinweis auf einbezogene Sozialleistungen.

Diese Aufstellung wird als Beleg zur Buchung abgelegt und mit dem Saldo des Vorjahres verglichen. Sie ist Teil der ordentlichen Abschlussunterlagen und unterliegt der Aufbewahrungspflicht. Wer die laufenden Zeit- und Feriensaldi sauber fuehrt, hat die Grundlage fuer diese Liste praktisch bereits zur Hand.

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